Iris Wolff mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis ausgezeichnet

Sie sei eine “meisterhafte Stilistin”, sagte der Leiter des Hamburger Literaturhauses, Rainer Moritz, in seiner Laudatio auf die Preisträgerin. Iris Wolff beschrieb in ihrer Dankesrede für den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing, warum Poesie für sie so wichtig ist.

 

Die Schriftstellerin Iris Wolff ist am Sonntag für ihr Gesamtwerk mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet worden. Sie sei eine Erzählerin, die sich umschaue, die genau hinsehe, die ein Auge für alles Randständige habe, für die kleinsten Alltagsobjekte, sagte der Leiter des Hamburger Literaturhauses, Rainer Moritz, in seiner Laudatio. Wolff würdige die scheinbar unwichtigsten Verrichtungen der Menschen, sie sei eine “meisterhafte Stilistin”.

Ihre Bücher seien in einen historischen Kontext eingebettet und würfen Fragen auf, die die Gesellschaft heute mehr denn je beschäftigten, etwa: “Was haben die Einzelnen mit den ‘großen’ weltpolitischen Ereignissen zu schaffen? Wie kann es gelingen, sich seine Freiheit in unfreien Zeiten zu bewahren?” Iris Wolffs Werk erteile Geschichtslektionen, sagte Moritz. Es umspannt einen weiten Bogen – die Vermittlung historischen Wissens, das Leben von Minderheiten in Diktaturen, Fluchterfahrungen oder die mühsamen Versuche, in der Fremde zurechtzukommen.

Iris Wolff selbst beschrieb in ihrer Dankesrede “In den Flugsand geschrieben – Risiken des Dichtens” unter anderem ihr Verhältnis zum Lesen, ihren Weg zur Schriftstellerin, Parallelen zu Marie Luise Kaschnitz und ihr eigenes Verständnis von Wahrhaftigkeit. Sie sagte: “Erst die Poesie gibt mir eine Sprache, in der sich größtmögliche Bildlichkeit, Offenheit und Wahrhaftigkeit begegnen. Poesie offenbart die nicht enträtselbare Dunkelheit und Schönheit des Lebens.” Als Schreibende könne sie “vielleicht nur in der Literatur diese Wahrhaftigkeit finden; und wir Leserinnen und Leser, davon bin ich überzeugt, können durch Kunst Anteil nehmen an solchen Suchbewegungen, weil es keinen Unterschied macht, ob wir diese Selbstbefragung durchgeführt haben, ob wir erlebt haben, was die Figuren erlebten – die erzählte Welt wird Teil der eigenen Gedanken, der eigenen Fragen.”

Die Preisverleihung war eingebettet in eine dreitägige Literaturtagung über das Werk der 1977 in Rumänien geborenen Schriftstellerin. Während der Tagung “Hinwege, Rückwege – Spurensuche im Werk von Iris Wolff” war die Autorin die komplette Zeit über anwesend und im Gespräch mit Gästen, Expertinnen und Interessierte. An zwei Abenden in Folge las sie aus ihren Büchern.

Die Evangelische Akademie Tutzing verleiht seit 1984 alle zwei Jahren ihren Marie Luise Kaschnitz-Preis an deutschsprachige Schriftsteller, um deren Lebenswerk zu würdigen. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert. Bisherige Preisträger waren unter anderem Sibylle Lewitscharoff, Michael Köhlmeier, Angelika Klüssendorf und Lutz Seiler.

dgr/ unter Verwendung von Material des epd

Hinweis: Ein ausführlicher Bericht folgt!

Hier können Sie die Reden in vollständiger Länge nachlesen:

Bild: Gruppenbild mit Jury: (v.l.n.r.) Akademiedirektor Udo Hahn, Studienleiterin Alix Michell, Jurorin Tanja Graf, Juror und Literaturkritiker Hajo Steinert, Schriftstellerin und Preistraegerin Iris Wolff, die Vorsitzende Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing Brigitte Grande, Literaturkritiker Rainer Moritz und Juror Thomas Geiger im Musiksaal der Evangelischen Akademie Tutzing. (Foto: Oryk Haist/ Evangelische Akademie Tutzing)

Iris Wolff

Iris Wolff am Sonntag, 8. Mai 2022, an der Evangelischen Akademie Tutzing. (Foto: Haist/ eat archiv)

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