WIRTSCHAFTSPROZESSE KOORDINIEREN – ABER WIE?
Marktkoordination und Planung gelten heute nicht länger als unversöhnliche Pole. Angesichts der Polykrise aus Klimakrise, technologischen Umbrüchen und massiven handels- und geopolitischen Interventionen stellt sich zunehmend die Frage neu, wie kollektive Ziele demokratisch und effizient erreicht werden können. Digitale Steuerungsinstrumente, Forderungen nach ökologischer Wirtschaftsplanung im Sinne Planetarer Grenzen oder die geoökonomische Ausrichtung globaler Lieferketten bieten Anlässe, über die Potenziale von Markt und Plan zur Koordinierung von Wirtschaftsprozessen zu reflektieren.
Zugleich verlangen die komplexen Transformationsprozesse – von Energiewende bis Industriepolitik – nach hybriden Lösungen: dezentrale Räume zum Experimentieren und zentrale Koordination, künstliche Märkte und dezentrale Mechanismen können Teil der Toolbox sein, haben aber klare Grenzen. Wie lassen sich Planung und Markt so kombinieren, dass demokratische Prozesse im Hinblick auf die großen, alle betreffenden Zukunftsfragen voll wirksam werden? Wie sollen Markt und Plan einer komplexen Transformations-Welt kombiniert werden, in der technokratische Planungsvorstellungen und perfekt funktionierende Märkte gleichermaßen obsolet sind?
Hierbei interessieren einerseits die angesprochenen Hybride – Planungselemente in kapitalistischen Märkten –, andererseits auch alternative Konzepte demokratischer Wirtschaftsplanung, wie sie von neuen Debatten in den vergangenen Jahren angestoßen wurde. Somit spannt sich ein Feld aus zwei unterschiedlichen und doch kombinierbaren Polen auf, deren Historie, Varianten und theoretische Grundlagen, ebenso wie Veränderungen durch Big Data, Algorithmen und Künstliche Intelligenz eine differenzierte Sicht auf Potenziale und Grenzen angesichts transformatorischer Herausforderungen bieten.
Unsere Tagung bietet die Möglichkeit, diese Debatte aufzugreifen und sowohl theoretisch als auch in seinen praktischen Auswirkungen kritisch weiterzuentwickeln. Für den offenen Teil laden wir Forschende aus den Wirtschafts-, Sozial-, und Kulturwissenschaften sowie Vertreter:innen aus der Praxis ein, ihre Forschung im Rahmen von parallelen Panel-Sessions vorzustellen (Informationen siehe blauer Kasten).
Wir laden alle Interessierten sehr herzlich nach Tutzing ein und bitten auch, den Call for Papers für den offenen Tagungsteil zu beachten und an Interessierte weiterzuleiten.
Katharina Hirschbrunn, Evangelische Akademie Tutzing
Prof. Dr. Ulrich Klüh, Hochschule Darmstadt
Prof. Dr. Richard Sturn, Universität Graz





