Praktiken des assistierten Suizids

Praktiken des assistierten Suizids

24. - 25. November 2022

Inhalt

Diakonische Dienste und Einrichtungen verstehen sich grundsätzlich als dem Leben zugewandt
                                                                                                                                                                 Diakonie Deutschland
 

Schon gut zweieinhalb Jahre liegt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurück: Paragraf 217 StGB ist verfassungswidrig, weil er es faktisch unmöglich machte, in Deutschland bei einem Suizid professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Gericht wertete das als unverhältnismäßige Einschränkung des grundlegenden Rechts auf Selbstbestimmung.

Dem Gesetzgeber steht frei, eine neue Regelung zu finden – erste Entwürfe lagen bereits in der vergangenen Legislaturperiode auf dem Tisch. In Kirche und Diakonie wurde parallel eine intensive Debatte geführt, wie mit dem Urteil und der sich abzeichnenden neuen Rechtslage umzugehen sei. Schließlich sahen sich beide in einer Grundüberzeugung herausgefordert: ihrem Selbstverständnis als Anwältinnen des Lebens.

Die Grundsatzdebatte ist besonders im vergangenen Jahr geführt worden. Es sei undenkbar, dass sich kirchliche und diakonische Einrichtungen an assistierten Suiziden beteiligten – bei allem Respekt vor der Notlage von Menschen, die in verzweifelten Lagen einen Wunsch nach Hilfe beim Suizid äußerten, und bei aller Bereitschaft, sie palliativmedizinisch und seelsorglich zu begleiten. So die einen. Andere argumentieren, dass mit der Gabe des Lebens auch die Freiheit so untrennbar mitgesetzt sei, dass auch kirchliche und diakonische Einrichtungen aus Achtung vor der Selbstbestimmung des einzelnen Menschen in letzter Konsequenz den assistierten Suizid ermöglichen müssten. Dies jedoch bei großem Bewusstsein für die Tragik von Situationen, in denen Menschen keinen anderen Ausweg sehen, und bei aller Betonung, zunächst alle anderen beratenden, seelsorglichen und palliativen Möglichkeiten auszuschöpfen, um Menschen andere Wege aufzuzeigen.

Unklar bleibt, wie kirchliche Einrichtungen ganz konkret mit Wünschen nach Suizidassistenz umgehen sollen. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten im Detail? Wie kann ein institutionelles Schutzkonzept aussehen, das die Würde und Selbstbestimmung der Betroffenen wahrt, sie aber auch vor voreiligen, fremdbestimmten oder krankheitsinduzierten Entscheidungen schützt? Wie können auch Angehörige und Mitarbeitende in den betreffenden Einrichtungen geschützt und zugerüstet werden? Wie stellt sich die Situation aus den jeweiligen Perspektiven der unterschiedlichen Akteure, Werke und Einrichtungen dar, aber auch angesichts der breitgefächerten Arbeitsbereiche von Kirche und Diakonie? Welche alternativen Praktiken zum assistierten Suizid kommen infrage?

Wir wollen auf der bisherigen Debatte aufbauen und Fragen nach verantwortungsvollen Regelungen und konkreten Praktiken in den Einrichtungen nachgehen. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Pfr. Dr. Hendrik Meyer-Magister, Evangelischen Akademie Tutzing

Prof Dr. Reiner Anselm, Ludwig-Maximilians-Universität München

Prof. Dr. Isolde Karle, Ruhr-Universität Bochum

Pfr. Ulrich Lilie, Diakonie Deutschland e.V.

Tagungs-Programm

Donnerstag, 24. November 2022
Anreise ab 8:30 Uhr
09.00 UhrAnkommen bei Kaffee und Brezen
10.00 UhrBegrüßung und Einführung
Pfr. Dr. Hendrik Meyer-Magister
Pfr. Ulrich Lilie
10.15 UhrGrußwort und geistlicher ImpulsOKR Christian Kopp
10.30 UhrAutonome Selbstbestimmung?Ein Rückblick auf die Debatte über assistierten Suizid
Dr. Daniel Deckers
11.15 UhrKaffeepause
11.45 UhrLEBEN - Selbstbestimmung und Lebensschutz Ambivalenzen im Umgang mit der Beihilfe zur Selbstötung
Dr. Peter Bartmann
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrDie Bitte um Suizidhilfe: Was erlaubt und gebietet das Recht?RA Wolfgang Putz
14.30 UhrSafe Spaces und Grauzonen. Herausforderungen zwischen rechtlicher Normierung und EinzlefallsensibilitätProf. Dr. Peter Dabrock (angefragt)
14.45 UhrRückfragen und Diskussion
15.00 UhrKaffeepause
15.30 UhrMedizinische und pharmakologische Aspekte der SuizidassistenzDr. med. Klaus Kobert
16.15 UhrFreier Austausch in Kleingruppen
17.15 UhrDie Perspektive der Palliativ- und Hospizversorgung auf die SuizidassistenzProf. Dr. Claudia Bausewein
18.00 UhrAbendessen
19.00 UhrDie gesellschaftlichen Herausforderungen der neuen GesetzeslageProf. Dr.phil. Armin Nassehi
anschließend: Begegnung und Gespräche in den Salons
Anreise ab 8:30 Uhr
09.00 Uhr
Ankommen bei Kaffee und Brezen
10.00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Pfr. Dr. Hendrik Meyer-Magister
Pfr. Ulrich Lilie
10.15 Uhr
Grußwort und geistlicher ImpulsOKR Christian Kopp
10.30 Uhr
Autonome Selbstbestimmung?Ein Rückblick auf die Debatte über assistierten Suizid
Dr. Daniel Deckers
11.15 Uhr
Kaffeepause
11.45 Uhr
LEBEN - Selbstbestimmung und Lebensschutz Ambivalenzen im Umgang mit der Beihilfe zur Selbstötung
Dr. Peter Bartmann
12.30 Uhr
Mittagessen
14.00 Uhr
Die Bitte um Suizidhilfe: Was erlaubt und gebietet das Recht?RA Wolfgang Putz
14.30 Uhr
Safe Spaces und Grauzonen. Herausforderungen zwischen rechtlicher Normierung und EinzlefallsensibilitätProf. Dr. Peter Dabrock (angefragt)
14.45 Uhr
Rückfragen und Diskussion
15.00 Uhr
Kaffeepause
15.30 Uhr
Medizinische und pharmakologische Aspekte der SuizidassistenzDr. med. Klaus Kobert
16.15 Uhr
Freier Austausch in Kleingruppen
17.15 Uhr
Die Perspektive der Palliativ- und Hospizversorgung auf die SuizidassistenzProf. Dr. Claudia Bausewein
18.00 Uhr
Abendessen
19.00 Uhr
Die gesellschaftlichen Herausforderungen der neuen GesetzeslageProf. Dr.phil. Armin Nassehi
anschließend: Begegnung und Gespräche in den Salons
Freitag, 25. November 2022
07.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
OKR Christian Kopp
08.00 UhrFrühstück
09.00 UhrAssistierten Suizid ermöglichenWie sich Sozialpsychiatrie und Beratungsstellen bei der Diakonie auf die neue Rechtslage einstellen
Dr. Michael Frieß
09.45 UhrDie Perspektive Sterbefasten/FVNF - eine alternative Praktik zum assistierten Suizid?Prof. Dr. Ruben Zimmermann
10.30 UhrKaffeepause
11.00 UhrWie kann mit Wünschen nach Suizidhilfe in der Praxis umgegangen werden?Plenumsdiskussion
Moderation:
Daniel Wagner (angefragt)
12.00 UhrEthische und seelsorgerliche PerspektivenProf. Dr. Reiner Anselm
Prof. Dr. Isolde Karle
12.15 UhrSchlusswort und VerabschiedungPfr. Ulrich Lilie
Pfr. Dr. Hendrik Meyer-Magister
12.30 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen
07.45 Uhr
Morgenandacht in der Schlosskapelle
OKR Christian Kopp
08.00 Uhr
Frühstück
09.00 Uhr
Assistierten Suizid ermöglichenWie sich Sozialpsychiatrie und Beratungsstellen bei der Diakonie auf die neue Rechtslage einstellen
Dr. Michael Frieß
09.45 Uhr
Die Perspektive Sterbefasten/FVNF - eine alternative Praktik zum assistierten Suizid?Prof. Dr. Ruben Zimmermann
10.30 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Wie kann mit Wünschen nach Suizidhilfe in der Praxis umgegangen werden?Plenumsdiskussion
Moderation:
Daniel Wagner (angefragt)
12.00 Uhr
Ethische und seelsorgerliche PerspektivenProf. Dr. Reiner Anselm
Prof. Dr. Isolde Karle
12.15 Uhr
Schlusswort und VerabschiedungPfr. Ulrich Lilie
Pfr. Dr. Hendrik Meyer-Magister
12.30 Uhr
Ende der Tagung mit dem Mittagessen

Referierende

Prof. Dr. theol. Reiner Anselm, Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie und Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Mitglied des Bayerischen Ethikrates, München
Dr. theol. Peter Bartmann, evangelischer Theologe und Gesundheitsökonom, Leiter des Zentrums Gesundheit, Rehabilitation und Pflege der Diakonie Deutschland im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V., Berlin
Prof. Dr. med. Claudia Bausewein, Fachärztin für Innere Medizin mit Zusatzweiterbildung Palliativmedizin; Inhaberin des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am Klinikum der Universität München; Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, München
Prof. Dr. theol. Peter Dabrock, Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie (Ethik) am Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie von 2016 bis 2020 Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, Erlangen
Dr. theol. Daniel Deckers, Frankfurter Allgemeine Zeitung, verantwortlicher Redakteur für „Die Gegenwart“, assoziierter Wissenschaftler der Hochschule Geisenheim University, Frankfurt am Main
Dr. phil. Michael Frieß, Pfarrer, Betriebswirt und Notfallsanitäter; tätig u.a. als Geschäftsführer im Bereich des Krisendienst Psychiatrie, München
Prof. Dr. theol. Isolde Karle, Inhaberin des Lehrstuhls für Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Homiletik, Liturgik und Poimenik sowie Gründungsdirektorin des Instituts für Religion und Gesellschaft an der Ruhr-Universität Bochum
Dr. med. Klaus Kobert, Facharzt für Anästhesie und operative Intensivmedizin; Leitender Klinischer Ethiker im Evangelischen Klinikum Bethel, Bielefeld
Oberkirchenrat Christian Kopp, Regionalbischof im Kirchenkreis München und Oberbayern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sowie Vorsitzender des Beirats der Evangelischen Stiftung Hospiz, München
Ulrich Lilie, Pfarrer und Präsident der Diakonie Deutschland sowie stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung e.V.; Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), Berlin
Prof. Dr. phil. Armin Nassehi, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München; u.a. Mitglied des Bayerischen Ethikrats sowie der Leopoldina. Nationale Akademie der Wissenschaften, München
Wolfgang Putz, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Medizinrecht und Arzthaftungsrecht, Lehrbeauftragter für Medizinrecht und Medizinethik an der medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
Daniel Wagner, Theologe und Journalist, Pressesprecher des Diakonischen Werks Bayern sowie Autor und Moderator von „MIKA, dem Podcast der Diakonie in Bayern“, Nürnberg
Prof. Dr. theol. Ruben Zimmermann, Theologe und diplomierter Diakoniewissenschaftler, Professor an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit den Schwerpunkten Neues Testament und Ethik; Gründungsmitglied des Mainzer Forschungszentrums „Ethik in Antike und Christentum“ (e/αc), Mainz

Preise & Informationen

VERANSTALTUNGSLEITUNG
Dr. Hendrik Meyer-Magister, Evangelische Akademie Tutzing
Prof. Dr. Reiner Anselm, Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Isolde Karle, Ruhr-Universität Bochum
Pfr. Ulrich Lilie, Diakonie Deutschland

ORGANISATION & INFORMATION
Cornelia Spehr, E-Mail: spehr@ev-akademie-tutzing.de; Tel. 08158 251-125. Ihre Anfragen zu der Veranstaltung erreichen uns in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr.

Anmeldung
Ihre Anmeldung erbitten wir über das Online-Formular auf unserer Homepage. Sie wird von uns bestätigt, ist verbindlich und Voraussetzung für die Teilnahme.
Anmeldeschluss: 10. November 2022

Abmeldung
Sollten Sie an der Teilnahme verhindert sein, bitten wir bis spätestens 17. November 2022 um entsprechende schriftliche Benachrichtigung.
Unsere Stornobedingungen entnehmen Sie unserer Homepage.

Preise pro Person für die gesamte Veranstaltungsdauer (in €):
Vortragsgebühr  55.–
(zzgl. Kaffee/Tee/Kuchen auch bei Teilnahme ohne Verpflegung à 4.– )  
Vollpension  
– im Einzelzimmer 174.–
– im Zweibettzimmer 152.–
– im Zweibettzimmer als EZ  182.–
Verpflegung (ohne Übernachtung/Frühstück)  59.–
Wir bitten um Begleichung bei Anreise durch Barzahlung oder EC-Karte. Bestellte und nicht in Anspruch genommene Einzelleistungen können nicht rückvergütet werden.
Die Tagung wird zu einem erheblichen Teil aus Kirchensteuermitteln finanziert.

Preisnachlass
Auszubildende, SchülerInnen, StudentInnen (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitsuchende erhalten eine Ermäßigung von 50 %. JournalistInnen wird der Teilnahmebeitrag erlassen, wenn ein aktueller Presseausweis einer ausstellungsberechtigten Organisation zusammen mit dem Auftrag zur Berichterstattung vorliegt. Eine Kopie Ihres Ausweises schicken Sie uns bitte mit Ihrer Anmeldung zu.

Weitere Informationen zu
Stornobedingungen / Ermäßigung / Schlosseuro / Datenschutz /AGB / Hygienekonzept / E-Mobilität und umweltfreundlicher Anreise sowie möglicher Sonderkost finden Sie unter dem Titel der Tagung auf unserer Homepage: www.ev-akademie-tutzing.de.

Bildnachweis: © Adobe Stock.com
Veranstaltungsnummer: 0182023

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:

 


 
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.
Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen, z.B. Tagungen im Jungen Forum, Tages- und Abendveranstaltungen oder Konzerte!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.