Ein Abend über “Menomorphosen”

“Ich bin mir selbst viel näher” resümiert Jule Ronstedt ihre persönliche Entwicklung in den Wechseljahren. Im Tutzinger Salon las sie am 22. Januar Geschichten über Frauen in der Lebensmitte und sprach darüber.

“Ich hätte dieses Buch gerne mit 50 gelesen” habe ihre Mutter gesagt, als sie zum ersten Mal das Buch in den Händen hielt, das die Schauspielerin Jule Ronstedt im vergangenen Jahr unter dem Titel “Menomorphosen” herausgebracht hat. Es ist zugleich der Debütroman der Schauspielerin.

In 26 Kurzgeschichten lässt Jule Ronstedt ebensoviele Frauen in der Lebensmitte zu Wort kommen. Sie alle eint die Lebensphase, in der sie sich befinden: die Wechseljahre. Die Namen der Protagonistinnen gehen von A-Z, von Annabelle bis Zoe. Hinter jedem Namen verbirgt sich ein Thema, eine Stimmung oder Situation. Es geht um Frauen, die wütend sind, die sich trösten, die verlassen wurden, in einen neuen Lebensabschnitt treten, deren Kinder ausziehen, die obdachlos geworden sind, die überlegen, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen; Frauen, die schwitzen, einander Geschichten erzählen, Träume wie aus Fantasy-Romanen haben – mit und ohne Kindern, Frauen mit Männern, ohne Männern, mit Frau oder ohne feste Partnerschaft. Kurzum: Geschichten von Frauen, in deren Leben sich Dinge verändern während sich auch ihr Körper und ihr Empfinden wandeln.

“Endlich wird darüber geredet”

In der vollbesetzten Rotunde der Akademie las Jule Ronstedt fünf dieser Geschichten vor und stieß damit auf große Begeisterung. Im anschließenden Gespräch mit Studienleiterin Dorothea Grass reflektierte sie die Menopause, gesellschaftliche Auswirkungen und die strukturelle Benachteiligung älterer Frauen – in Kultur und Medien, aber auch in der Medizin.

“Wenn Männer Wechseljahre hätten, dann würden wir schon die ganze Zeit darüber reden und zwar jeden Tag.”, sagte Ronstedt und spielte damit sowohl auf die Gesellschaft als auch auf ihre eigene Erfahrung an. Während die Müttergeneration der heutigen Frauen 47-plus kaum über die Wechseljahre gesprochen habe und deren Auswirkungen weder medizinisch noch gesellschaftlich eingeordnet wurden, habe mittlerweile ein Wandel stattgefunden. “Wir sind die erste Generation, die das Thema öffentlich und salonfähig macht. Endlich wird darüber geredet und endlich werden auch die gesellschaftlichen Zusammenhänge klargestellt.” Bücher, Serien, Podcasts und Diskussionen schafften Aufklärung, Austausch und vor allem das Gefühl, nicht allein zu sein.

Plädoyer für eine Neubewertung des Alterns

Die Wechseljahre seien “nicht irgendwie nur eine komische Befindlichkeit bei Frauen.” Jede Frau erlebe den hormonellen Wandel anders, oft mit tiefgreifenden Auswirkungen, die Männer in dieser Form nicht erleben. Im Gespräch zwischen Dorothea Grass und Jule Ronstedt ging es auch um patriarchale Strukturen, die dazu geführt haben, dass weibliches Altern schambesetzt und unsichtbar gemacht wurde. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Film- und Fernsehbranche: Während Männer mit zunehmendem Alter weiterhin Rollen und Anerkennung erhalten, verschwinden Frauen ab etwa Mitte 40 aus dem Blickfeld. Dies habe nicht nur künstlerische, sondern auch existenzielle und finanzielle Folgen; Altersarmut treffe Frauen überdurchschnittlich häufig.

Jule Ronstedt plädiert für eine Neubewertung des Alterns sowohl bei Männern als auch bei Frauen – und für die Anerkennung der Erfahrung, sozialen Kompetenz und Netzwerke älterer Frauen. Durch die Wechseljahre habe sich ihr Blick auf Frauen verändert, sei wärmer und liebevoller geworden. “Meine Solidarität ist gewachsen”, erzählte sie.

Angesprochen auf den gesellschaftlichen Backlash und die Rückkehr traditioneller Rollenbilder wie sie sich etwa in der “Tradwives”-Bewegung in den USA manifestieren, zeigte sich Jule Ronstedt nicht nur besorgt, sondern eher motiviert zur Rebellion. Umso wichtiger sei es, laut zu bleiben, Geschichten zu erzählen, Verantwortung zu übernehmen und Männer als Verbündete zu gewinnen.

Das Älterwerden habe dabei auch Vorteile. “Ich würde sagen, gerade in den letzten Jahren bin ich mir selbst viel näher gerückt. Ich kenne mich viel besser und ich finde es auch ganz toll, auf bestimmte Sachen einfach keine Lust mehr zu haben. Ich würde sagen, ich bin in vielen Dingen auch klarer mit mir. Nur auf jung, schön, fruchtbar und knackig reduziert zu werden, fand ich noch nie so witzig.”

INFOS & INSPIRATION ZUM THEMA (u.a. aus der Veranstaltungs-Pinnwand):

Newsletter & Magazine:

Bücher:

  • Mandy Mangler “Das große Gyn-Buch”
  • Sheila de Liz “Woman On Fire”
  • Jule Ronstedt “Menomorphosen”
  • Silke Burmester “Mutterblues: Mein Kind wird erwachsen, und was werde ich?”
  • Gesine Cukrowski “Sorry Tarzan, ich rette mich selbst”
  • Miriam Stein “Die gereizte Frau” / “Weise Frauen”
  • Stefanie de Velasco “Heiß – Liebeserklärung an die Wechseljahre”
  • Naomi Watts “Jetzt schon? – Wie ich früh in die Wechseljahre kam und was ich gerne darüber gewusst hätte”
  • Susanne Liedtke, Christina Enzmann  “Somebody told me – Ernährung als Schlüssel für mehr Wohlbefinden und Energie in den Wechseljahren”
  • Suzan ObertWendepunkt Wechseljahre: Dein neues Leben beginnt jetzt! Wirksame Strategien für Gesundheit und Glück in Körper, Geist und Seele”

Job & Gesundheit:

  • wexxeljahre.de
  • the-change.org
  • www.menoacademy.com

Podcasts:

  • “Hormongesteuert – Der Wechseljahre-Podcast” mit Dr. Katrin Schaudig (ARD-Audiothek)
  • “Gyncast”mit Prof. Dr. Mandy Mangler
  • “Menomio – Der Podcast für glückliche Wechseljahre” mit Daniela Ullrich
  • “Von wegen Pause” mit Birgit Fenderl
  • “Meno an mich” mit Diana Helfrich und Julia Schmidt-Jortzig (BRIGITTE WOMAN)

Instagram:

  • palais_fluxx
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  • perihub_de
  • claudiathorn (TCM Ärztin und Wechseljahre-Expertin)
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Fotos: Ladner/eat archiv

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