Wege des Erinnerns an den Vernichtungskrieg

Wege des Erinnerns an den Vernichtungskrieg

02. - 03. März 2020

Inhalt

VERANTWORTUNG FÜR DIE GESCHICHTE DER NATIONALSOZIALISTISCHEN DIKTATUR ÜBERNEHMEN

Wer diesen Anspruch erhebt, der hat noch viel zu tun, denn „Hitlers Kernprojekt und die Folgen für die davon betroffenen Menschen [sind] bislang allenfalls fragmentarisch im historischen Bewusstsein präsent“ – so Jürgen Zarusky beim Dachauer Symposium 2018. Es war dem am 4. März 2019 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorbenen Historiker weit mehr als ein wissenschaftliches Anliegen, die sogenannte Lebensraumpolitik und ihre verheerenden Folgen, die allein in der Sowjetunion 27 Millionen Menschen das Leben kosteten, stärker in den deutschen Vergangenheitsdiskurs einzubringen. Jürgen Zarusky engagierte sich hier sowohl als politisch Denkender und Handelnder als auch als Mensch, für den Kategorien wie Empathie, Respekt und Gerechtigkeit konkret einzulösen waren. Das ging nur im transnationalen Dialog: Mit seinen deutschen, russischen, ukrainischen und polnischen Gesprächspartnern verbanden ihn die gemeinsamen Forschungsinteressen, der politische Wunsch, in der jeweiligen Gesellschaft etwas zu  bewirken, und die grundsätzliche Entscheidung, einander zuzuhören und voneinander zu lernen.
 
Genau dazu laden wir bei diesem zweitägigen Symposium an der Evangelischen Akademie Tutzing ein. Wir werden mit Hilfe von Experten aus dem In- und Ausland Orte und Ereignisse beleuchten, die sich tief in das historische Gedächtnis der ansässigen Bevölkerung eingeschrieben haben, weil sich hier der deutsche Vernichtungswille auf entsetzliche Weise manifestierte. Wer aber kennt in Deutschland  Smijowskaja Balka oder Malyj Trostinec?  Nicht nur solche Geschichtsorte, sondern weitere Aspekte der Erinnerungs- und Verständigungskultur beschäftigen uns im Verlauf der Tagung. Was hieß  Vergangenheitsbewältigung früher und wie gedenkt man heute der Opfer der Lebensraum- und Vernichtungspolitik? Welche erinnerungspolitischen Initiativen, welche materiellen Maßnahmen gibt es, um den Opfern ein Stück Gerechtigkeit widerfahren zu lassen? Welche Wege der transnationalen Verständigung in diesen Fragen wurden eingeschlagen und wie lassen sie sich weiterverfolgen?
 
Geschichte, Erinnerungsarbeit und transnationaler Dialog sind die drei Stichworte, die uns in Tutzing beschäftigen werden. Für Jürgen Zarusky, dem zu Ehren wir zusammenkommen, waren sie die Eckpunkte seiner Vita activa. Herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!

Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Yuliya von Saal, Institut für Zeitgeschichte München–Berlin
Prof. Dr. Annette Eberle, Katholische Stiftungshochschule München, Campus Benediktbeuern
 

Tagungs-Programm

Montag, 02. März 2020
13.00 UhrBeginn der Tagung mit einem Imbiss
13.30 UhrBegrüßung
Dr. Ulrike Haerendel
und
Prof. Dr. Andreas Wirsching
14.00 UhrI. Sektion: Die deutsche Außenpolitik und der nationalsozialistische Vernichtungskrieg in Polen und der Sowjetunion. Opfer – Orte – Ereignisse
Moderation: Prof. Dr. Johannes Hürter
Die NS-Außenpolitik gegenüber Polen und der Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939Dr. Sergej Slutsch
14.45 UhrDeutsche Besatzung und Holocaust im Nord-Kaukasus: Verdrängung und Erinnerung (in engl. Sprache)
Dr. des. Irina Rebrova
15.30 UhrKaffeepause
16.00 UhrDer Massenmord an den Juden in Babyn Jar Prof. Dr. Dieter Pohl
16.30 UhrDer Vernichtungsort Malyj Trostinec und die Erinnerung an den Krieg in Belarus Dr. Yuliya von Saal
17.00 UhrDiskussion der beiden Referate
17.30 UhrVorgeschichte und Geschichte des Warschauer Aufstands von 1944 Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz
18.30 UhrAbendessen
20.00 UhrII. Sektion: Kampf um Anerkennung und Entschädigung Moderation: Dr. Ulrike Haerendel
Sowjetische Zwangsarbeiter in Nazi-Deutschland in der Erinnerung Russlands an die Überlebenden und Gefallenen Dr. Natalia Timofeeva
21.00 UhrDas Ghettorentengesetz Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt
22.00 UhrGespräche in den Salons
13.00 Uhr
Beginn der Tagung mit einem Imbiss
13.30 Uhr
Begrüßung
Dr. Ulrike Haerendel
und
Prof. Dr. Andreas Wirsching
14.00 Uhr
I. Sektion: Die deutsche Außenpolitik und der nationalsozialistische Vernichtungskrieg in Polen und der Sowjetunion. Opfer – Orte – Ereignisse
Moderation: Prof. Dr. Johannes Hürter
Die NS-Außenpolitik gegenüber Polen und der Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939Dr. Sergej Slutsch
14.45 Uhr
Deutsche Besatzung und Holocaust im Nord-Kaukasus: Verdrängung und Erinnerung (in engl. Sprache)
Dr. des. Irina Rebrova
15.30 Uhr
Kaffeepause
16.00 Uhr
Der Massenmord an den Juden in Babyn Jar Prof. Dr. Dieter Pohl
16.30 Uhr
Der Vernichtungsort Malyj Trostinec und die Erinnerung an den Krieg in Belarus Dr. Yuliya von Saal
17.00 Uhr
Diskussion der beiden Referate
17.30 Uhr
Vorgeschichte und Geschichte des Warschauer Aufstands von 1944 Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz
18.30 Uhr
Abendessen
20.00 Uhr
II. Sektion: Kampf um Anerkennung und Entschädigung Moderation: Dr. Ulrike Haerendel
Sowjetische Zwangsarbeiter in Nazi-Deutschland in der Erinnerung Russlands an die Überlebenden und Gefallenen Dr. Natalia Timofeeva
21.00 Uhr
Das Ghettorentengesetz Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt
22.00 Uhr
Gespräche in den Salons
Dienstag, 03. März 2020
07.45 UhrAndacht in der Schlosskapelle
09.00 UhrIII. Sektion: Blinde Flecken im deutschen Gedächtnis? Moderation: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
Ein Gedenkort für die Opfer der NS-LebensraumpolitikDr. Peter Jahn
09.45 UhrDie KZ-Gedenkstätte Dachau: Erinnerungskultur und ehemalige Häftlinge aus der Sowjetunion Barbara Distel
10.30 UhrKaffeepause
11.00 UhrSowjetische KriegsgefangenePD Dr. Andras Hilger
11.45 UhrDiskussion mit den Referierenden des Vormittags
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrIV. Sektion: Gemeinsame Wege zur Erinnerungskultur
Wie weit ist die transnationale Verständigung um die Erinnerung an den Vernichtungskrieg gediehen? Podiumsdiskussion mit
Prof. Dr. Pavel Polian
Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz
Prof. Dr. Irina Scherbakowa
Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
Moderation: PD Dr. Andreas Hilger
16.00 UhrEnde der Tagung
07.45 Uhr
Andacht in der Schlosskapelle
09.00 Uhr
III. Sektion: Blinde Flecken im deutschen Gedächtnis? Moderation: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
Ein Gedenkort für die Opfer der NS-LebensraumpolitikDr. Peter Jahn
09.45 Uhr
Die KZ-Gedenkstätte Dachau: Erinnerungskultur und ehemalige Häftlinge aus der Sowjetunion Barbara Distel
10.30 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Sowjetische KriegsgefangenePD Dr. Andras Hilger
11.45 Uhr
Diskussion mit den Referierenden des Vormittags
12.30 Uhr
Mittagessen
14.00 Uhr
IV. Sektion: Gemeinsame Wege zur Erinnerungskultur
Wie weit ist die transnationale Verständigung um die Erinnerung an den Vernichtungskrieg gediehen? Podiumsdiskussion mit
Prof. Dr. Pavel Polian
Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz
Prof. Dr. Irina Scherbakowa
Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
Moderation: PD Dr. Andreas Hilger
16.00 Uhr
Ende der Tagung

Referierende

REFERIERENDE UND MODERATOREN:

Dr. h.c. Barbara Distel, Kuratorin und Publizistin, ehem. Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, München
PD Dr. Andreas Hilger, Historiker, Stellvertretender Direktor, Deutsches Historisches Institut Moskau
Prof. Dr. Johannes Hürter, Historiker, Leiter der Forschungsabteilung München, Institut für Zeitgeschichte München–Berlin
Dr. Peter Jahn, Historiker und Slawist, ehem. Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, Sprecher der Initiative „Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik“, Berlin
Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt, Historiker, Professor für Holocaust-Studien und jüdische Studien, Touro-College, Berlin
Prof. Dr. Dieter Pohl, Professor für Zeitgeschichte mit besonderer Berücksichtigung Ost- und Südosteuropas, Universität Klagenfurt, Österreich
Prof. Dr. Pavel Polian, Zeithistoriker, Geograph und Literaturwissenschaftler, Direktor des Mandelstam-Zentrums bei der Nationalen Forschungsuniversität Hochschule für Wirtschaft (Moskau), Moskau-Freiburg
Dr. des. Irina Rebrova, Historikerin, wiss. Mitarbeiterin, Ausstellungsprojekt der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Direktor und Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte, Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien, Universität Wroclaw, Polen
Dr. Yuliya von Saal, Historikerin, Wissenschaftliche Koordinatorin bei der Deutsch-Russischen Historikerkommission, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
Prof. Dr. Irina Scherbakowa, Historikerin, Publizistin und Übersetzerin, Professorin für Zeitgeschichte, Afanassjew-Universität, Moskau
Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, Lehrstuhlinhaber für Geschichte Ost- und Südosteuropas, Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. Sergej Slutsch, Historiker, Institut für Slawenkunde, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau
Dr. Natalia Timofeeva, Historikerin, Leiterin des Regionalzentrums für Oral History, Woronesch, Russland
Prof. Dr. Andreas Wirsching, Lehrstuhlinhaber für Neueste Geschichte an der LMU München und Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin

Preise & Informationen

Tagungsleitung
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungsorganisation
Rita Niedermaier, Telefon: 08158 251-128, Telefax: 08158 99 64 28, E-Mail: niedermaier@ev-akademie-tutzing.de, beantwortet Ihre Anfragen zu der Veranstaltung in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr.

Anmeldung
Ihre Anmeldung erbitten wir schriftlich, mit anhängender Karte oder direkt online. Ihre Anmeldung wird von uns bestätigt und ist verbindlich.
Anmeldeschluss ist 17. Februar 2020.

Abmeldung
Sollten Sie kurzfristig an der Teilnahme verhindert sein, bitten wir bis spätestens 24. Februar 2020 um entsprechende schriftliche Benachrichtigung, andernfalls werden Ihnen 50 % des vollen Preises, am Tag des Tagungsbeginns 100 % der von Ihnen bestellten Leistungen in Rechnung gestellt. Nach Abmeldefrist entfällt der Anspruch auf Ermäßigung. Sie erhalten von uns eine schriftliche Bestätigung über den Eingang Ihrer Abmeldung. Zu Ihrer Buchung empfehlen wir den Abschluss einer Seminar-Versicherung.

Preise
pro Person für die gesamte Tagungsdauer (in €):

Vortragsgebühr                                                                                                       30.–
(zzgl. Kaffee/Tee/Kuchen auch bei Teilnahme ohne Verpflegung)
Vollpension
– im Einzelzimmer                                                                                                 94.–
– im Zweibettzimmer                                                                                             72.–
– im Zweibettzimmer als EZ                                                                                102.–

Verpflegung (ohne Übernachtung/Frühstück)                                                       35.50

STUDIERENDENTICKET (gesamte Tagung & Vollpension im DZ)                  51.–

Sonderkost
Gerne bietet unsere Küche gegen einen Aufpreis von 10.– € pro Person & Veranstaltung bei streng veganem Essen, Unverträglichkeiten oder Allergien die Zubereitung einer Sonderkost an – s. Anmeldekarte.

Wir bitten um Begleichung bei Anreise durch Barzahlung oder EC-Karte. Bestellte und nicht in Anspruch genommene Einzelleistungen können nicht rückvergütet werden.
Preisnachlass Auszubildende, SchülerInnen, StudentInnen (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitsuchende erhalten eine Ermäßigung von 50 %. JournalistInnen wird der Teilnahmebeitrag erlassen, wenn der Presseausweis von einer ausstellungsberechtigten Organisation vorliegt. Eine Kopie Ihres Ausweises schicken Sie uns bitte mit Ihrer Anmeldung zu.
 
Kooperationspartner
Institut für Zeitgeschichte, München

Die Evangelische Akademie Tutzing ist Mitglied der Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD) e.V., Berlin

Die Tagung wird zu einem erheblichen Teil aus Kirchensteuermitteln finanziert.

Stiftung Schloss Tutzing / Schlosseuro
Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, für den Erhalt des denkmalgeschützten Gesamtensembles „Schloss und Park Tutzing“ Sorge zu tragen. Mit dem Schlosseuro (bereits in der Vortragsgebühr enthalten) unterstützen Sie deren Projekte. Möchten Sie der Stiftung darüber hinaus einen Betrag zukommen lassen, stellen wir Ihnen gerne eine Spendenbescheinigung aus.

Verkehrsverbindungen
Für die Planung Ihrer klimaneutralen Anreise nutzen Sie bitte das Portal Greenmobility auf unserer Homepage.
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.
 

Bildnachweis: Gedenkstätte Malyj Trostinec, Belarus. Foto: Yuliya von Saal
Tagungsnummer: 0772020

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:

 


 
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.
Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen, z.B. Tagungen im Jungen Forum, Tages- und Abendveranstaltungen oder Konzerte!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.