Reform im Katholizismus

28. November - 01. Dezember 2016

Inhalt

KONFESSIONELLE SELBST- UND FREMDBILDER
 
Das bevorstehende Reformationsjubiläum 2017 hat auch ökumenisch neues Interesse für die Reformation erzeugt und vielfältige Diskussionen hervorgerufen. Namentlich in der römisch-katholischen Kirche wurde, statt nur die „Kirchenspaltung“zu beklagen und ihre Überwindung zu erhoffen, intensiv nach den positiven Impulsen der Reformation für den christlichen Glauben gefragt. Auch auf evangelischer Seite wird betont, dass das Reformationsjubiläum dieses Mal nicht im Geist konfessioneller Abgrenzung, sondern in ökumenischer Offenheit begangen werden soll. In dem bemerkenswerten Studiendokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ versuchen lutherische und römisch-katholische Kirche die Geschichte der Reformation gemeinsam zu erzählen und entwickeln Perspektiven für ein gemeinsames Reformationsgedächtnis.
 
Ökumenische Offenheit kann nicht nur bedeuten, dass den ökumenischen Partnern die Motive und Einsichten der reformatorischen Christenheit verständigungsoffen kommuniziert werden, sondern sie schließt auch ein Interesse an den Motiven und Einsichten der ökumenischen Partner ein. Und sie impliziert die Bereitschaft, eingespielte konfessionelle Selbst- und Fremdbilder wahrzunehmen und auf den Prüfstand zu stellen. Zu den weit verbreiteten Konfessionsklischees zählt nun auch die Gegenüberstellung: hier der Protestantismus als erneuerungsfähig, zeitgemäß, weltoffen – dort der Katholizismus als traditions-orientiert, rückwärtsgewandt, autoritätsfixiert etc. Wie steht es aber um Reform und Veränderung im Katholizismus?
 
Um diese Frage in ökumenischer Verbundenheit zu diskutieren, laden die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands und die Evangelische Akademie Tutzing zu der Tagung „Reform im Katholizismus. Traditionstreue und Veränderung in der römisch-katholischen Theologie und Kirche“ ein. Die Tagung wird zunächst grundsätzlich der Frage nachgehen, wie in der römisch-katholischen Kirche Kontinuität und Innovation austariert sind, welche Formen, Instanzen und Semantiken des Umgangs mit Diskontinuität sie entwickelt hat, wie sie Traditionstreue und Flexibilität miteinander zu verbinden versucht. Dies wird dann anhand ausgewählter Fallstudien illustriert. In einem öffentlichen Abendgespräch werden zudem LWB-Generalsekretär Martin Junge, Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Kardinal Marx über „Reform(ation) heute? Die Kirchen vor gemeinsamen Herausforderungen in einer sich verändernden Welt“ diskutieren.
 
Herzliche Einladung zum Diskurs in der Evangelischen Akademie Tutzing.
 
Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing
Dr. Karl-Hinrich Manzke, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe
Prof. Dr. Bernd Oberdorfer, Professor für Systematische Theologie an der Universität Augsburg
Dr. Oliver Schuegraf, Oberkirchenrat für Ökumenische Grundsatzfragen im Amt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands
 
 
 
 
 
 
 
 

Tagungs-Programm

Montag, 28. November 2016
Anreise ab 12.00 Uhr
13.30 UhrBeginn der Tagung mit einem Imbiss
14.30 UhrEröffnung
Einheit I
15.15 UhrEinführung in das Thema / Fragehorizont
Prof. Dr. Bernd Oberdorfer
15.45 UhrKaffeepause
16.15 UhrTraditionstreue und Erneuerung in der römisch-katholischen KircheKardinal Karl Lehmann
18.00 UhrAbendessen
19.30 UhrEinheit IIGrundlagen 1
Apostolische Sukzession als „Zeichen und Werkzeug“ für Ursprungstreue und diachrone KontinuitätProf. Dr. Friederike Nüssel
Koreferat
Prof. Dr. Bertram Stubenrauch
21.00 UhrGespräche in den Salons
Dienstag, 29. November 2016
08.00 UhrFrühstück
08.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
09.15 UhrEinheit IIIGrundlagen 2
Kirchliches Lehramt als Instanz gegenwartsbezogener GlaubensentwicklungProf. em. Dr. Dr. h. c. Michael Beintker
Koreferat:
Prof. Dr. Magnus Striet
10.45 UhrKaffeepause
11.15 UhrEinheit IVGrundlagen 3
Deutungen geschichtlicher Veränderungen in der Kirche als organische EntwicklungProf. Dr. Karlheinz Ruhstorfer
Koreferat:
Prof. Dr. Christine Axt-Piscalar
12.45 UhrMittagessen
14.30 UhrEinheit VGrundlagen 4
Subsistit. Ekklesiologie und Ökumene in der katholischen KircheProf.Dr. Wolfgang Thönissen
Koreferat:
Dr. Tiina Huhtanen
16.00 UhrKaffeepause
16.30 UhrEinheit VIGrundlagen 5
Römisch-katholische DogmenhermeneutikProf. em. Dr. Dr. h.c. Gunther Wenz
Koreferat:
Prof. Dr. Peter de Mey
18.00 UhrAbendessen
19.00 UhrGottesdienstLiturgen:
Leitender Bischof Ulrich Gerhard
Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke
Bischof Dr. Gerhard Feige
u.a.
20.15 UhrEinheit VII
Reform(ation) heute? Die Kirchen vor gemeinsamen Herausforderungen in einer sich verändernden WeltÖffentliches Abendgespräch mit
Martin Junge
Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Reinhard Kardinal Marx
Moderation:
Tilmann Kleinjung
21.30 UhrGespräche in den Salons
Mittwoch, 30. November 2016
07.30 UhrFrühstück
10.45 UhrPause
08.45 UhrAndacht in der Schlosskapelle
09.15 UhrEinheit VIIIFallbeispiele 1 (mit Diskussion)
Papsttum und Kirchenreform vor, auf und nach dem TridentinumProf. Dr. Günther Wassilowsky
Die Einführung ‚neuer‘ Dogmen (Infallibilität, Aufnahme Mariens in den Himmel) und ihre BegründungProf. Dr. Theodor Dieter
10.45 UhrPause
11.15 UhrEinheit IXFallbeispiele 2 (mit Diskussion)
Der Modernismus-Streit (und der Umgang mit den anti-modernistischen Verwerfungen im 20. Jh.)PD Dr. Margarethe Hopf
Die Neubeurteilung der Menschenrechte, namentlich der Religionsfreiheit, im und seit dem 2. VatikanumProf. Dr. Johanna Rahner
12.45 UhrMittagessen
14.30 UhrEinheit XFallbeispiele 3 (mit Diskussion)
Reformpotentiale am Beispiel des „sensus fidelium“Prof. Dr. Myriam Wijlens
Inculturation in the Catholic Church in Latin AmericaProf. Dr. Wanda Deifelt
16.00 UhrKaffeepause
16.30 UhrEinheit XIPanel I mit Nachwuchswissenschaftler/innen
18.00 UhrAbendessen
19.30 UhrEinheit XIIPanel II mit Nachwuchswissenschaftler/innen
21.30 UhrGespräche in den Salons
Donnerstag, 01. Dezember 2016
08.00 UhrFrühstück
08.45 UhrAndacht in der Schlosskapelle
09.15 UhrEinheit XIIIFallbeispiele 4 (mit Diskussion)
Erst verboten, dann erlaubt? Private Bibellektüre in der römisch-katholischen Kirche durch „Laien“ im 19. und 20. Jahrhundert(engl.)
Prof. Dr. Kathryn Johnson
Die Neubewertung der historisch-kritischen Bibelexegese im und seit dem 2. VatikanumProf. Dr. Thomas Söding
10.30 UhrKaffeepause
11.00 UhrEinheit XIVAbschlusspodium
Rückmeldungen der TagungsbeobachterDirektorin Dr. Mareile Lasogga
OKR Dr. Oliver Schuegraf
anschließend Podiumsdiskussion mit
Prof. em. Dr. Dr. h. c. Michael Beintker
Prof. Dr. Bernd Oberdorfer
Prof. Dr. Friederike Nüssel
Prof. Dr. Johanna Rahner
Prof. Dr. Thomas Söding
Moderation:
Udo Hahn
12.30 UhrMittagessen und Ende der Tagung

Referierende

Prof. Dr. Christine Axt-Piscalar, Professorin für Systematische Theologie an der Georg-August-Universität Göttingen
Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, München
Prof. em. Dr. Dr. h. c. Michael Beintker, bis 2015 Professor für Systematische Theologie und Direktor des Seminars für Reformierte Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. Peter de Mey, Professor für römisch-katholische Ekklesiologie und Ökumene an der Forschungsstelle für Systematische Theologie und Studium der Religionen der Katholischen Universität von Leuven/Belgien
Prof. Dr. Wanda Deifelt, Professorin für Christliche Theologie am Institut für Religion des Luther College, Decorah/USA
Dr. Theodor Dieter, Direktor und Forschungsprofessor am Institut für Ökumenische Forschung, Straßburg/Frankreich
Dr. Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg und Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz
PD Dr. Margarethe Hopf, Privatdozentin am Evangelisch-Theologischen Seminar der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Dr. Tiina Huhtanen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Systematische Theologie der University of Helsinki/Finnland
Prof. Dr. Kathryn Johnson, Direktorin der Abteilung für ökumenische und interreligiöse Beziehungen der Evangelisch-Lutherischen Kirche- Church in America, Chicago/USA
Dr. h. c. Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Genf/Schweiz
Tilmann Kleinjung, Leiter des ARD Hörfunkstudios für Italien, den Vatikan und Malta, Rom/Italien
Dr. Mareile Lasogga, Direktorin des Konfessionskundlichen Instituts, Bensheim
Karl Kardinal Lehmann, em. Bischof von Mainz, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Dr. Karl-Hinrich Manzke, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Bückeburg
Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, Freising
Prof. Dr. Friederike Nüssel, Professorin für Systematische Theologie und Direktorin des Ökumenischen Instituts der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Prof. Dr. Bernd Oberdorfer, Professor für Systematische Theologie an der Universität Augsburg
Prof. Dr. Johanna Rahner, Professorin für Dogmatik, Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Prof. Dr. Karlheinz Ruhstorfer, Professor für Systematische Theologie an der Technischen Universität Dresden
Dr. Oliver Schuegraf, Oberkirchenrat für Ökumenische Grundsatzfragen im Amt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Hannover
Prof. Dr. Thomas Söding, Professor für neutestamentliche Exegese und Theologie an der Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Magnus Striet, Professor für Fundamentaltheologie an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg
Prof. Dr. Bertram Stubenrauch, Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie und Direktor des Ökumenischen Forschungsinstituts an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Wolfgang Thönissen, Professor für ökumenische Theologie und Leitender Direktor des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik, Paderborn
Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch- Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Schwerin
Prof. Dr. Günther Wassilowsky, Professor für Kirchengeschichte der Universität Innsbruck im Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie, Innsbruck/Österreich
Prof. Dr. Dr. h.c. Gunther Wenz, ehem. Direktor des Instituts für Fundamentaltheologie und Ökumene an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Myriam Wijlens, Professorin für Kirchenrecht an der Universität Erfurt

Preise & Informationen

Tagungsleitung
Pfr. Udo Hahn, Akademiedirektor
 
Tagungsorganisation & Anmeldung
Isabelle Holzmann, Telefon: 08158 251-121, Telefax: 08158 251-110, E-mail: holzmann@ev-akademie-tutzing.de, beantwortet Ihre Anfragen zu der Veranstaltung in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr. Ihre Anmeldung erbitten wir schriftlich, per E-Mail oder direkt online. Sie wird von uns bestätigt und ist verbindlich.
Anmeldeschluss ist der 18. November 2016.

Abmeldung
Sollten Sie kurzfristig an der Teilnahme verhindert sein, bitten wir bis spätestens zum 18. November 2016 um entsprechende schriftliche Benachrichtigung, andernfalls werden Ihnen 50 % des vollen Preises, am Tag des Tagungsbeginns 100 % der von Ihnen bestellten Leistungen in Rechnung gestellt. Nach Abmeldefrist entfällt der Anspruch auf Ermäßigung. Sie erhalten von uns eine schriftliche Bestätigung über den Eingang Ihrer Abmeldung. Zu Ihrer Buchung empfehlen wir den Abschluss einer Seminar-Versicherung.
 
Preise
 
Teilnahmebeitrag                                               75.– €
Verpflegung (ohne Übernachtung/Frühstück)  88.50 €
Vollpension im Einzelzimmer                           264.– €
– im Zweibettzimmer                                         198.– €
– im Zweibett- als Einzelzimmer                       288.– €
Kurzzeitzuschlag für eine Übernachtung          10.– €
 
Wir bitten um Begleichung bei Anreise durch Barzahlung oder EC-Karte. Bestellte und nicht in Anspruch genommene Einzelleistungen können nicht
rückvergütet werden.
 
Preisnachlass
Auszubildende, SchülerInnen, StudentInnen (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitslose erhalten eine Ermäßigung von 50 %. JournalistInnen wird der Teilnahmebeitrag erlassen, wenn der Presseausweis von einer ausstellungsberechtigten Organisation vorliegt. Eine Kopie Ihres Ausweises schicken Sie uns bitte mit Ihrer Anmeldung zu.
 
Die Tagung wird zu einem erheblichen Teil aus Kirchensteuermitteln finanziert.

Ort & Anreise

ANREISEPLANUNG
Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
 
Logo von Green Mobility
 
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €.
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing. In Tutzing ist der Weg zur
Akademie ausgeschildert.