Prekäres Glück in einer erschütterten Welt

Prekäres Glück in einer erschütterten Welt

01. - 03. Mai 2026

Inhalt

„Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…“
Adorno: „Mir nicht!“

Theodor W. Adorno (Der Spiegel, 6.5.1969)

Vor 60 Jahren erschien Theodor W. Adornos „Negative Dialektik“. Das Buch glich einem Blitz mit nachrollendem Donner. Nicht leicht lesbar, zog das epochale Werk die Register seines diagnostischen Potentials: Es zeigt, wie Politik, Ökonomie, Technik, Wissenschaft die Welt entstellen, die Natur ausbeuten und die Kulturindustrie das Leben merkantil verschleiert. 

Trotz kritischem Jargon, überrascht Adorno mit Bildern gelingenden Lebens, ästhetischem Empfinden, liebender Nähe und Quellen des Freiseins. Selbst inmitten von Unmenschlichem, kommt mit jedem Kind ein unschuldiges Modell für Humanität auf die Welt. 

Wider Barbarei formulierte Adorno in seinem Hauptwerk einen „neuen kategorischen Imperativ“: Alles „Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole“. Gibt es Hoffnung um der Hoffnungslosen willen? Gewissheit gibt es nicht. Von der Auferstehung des Leibes gar ahnen wir vielleicht nur kraft eines somatischen Tastens. Doch pocht in ihm nicht jedes Unglück unveräußerlich auf Trost und Einspruch?

Wir leben im Anthropozän voll Leid und Gewalt. Gleichviel entziffert Adorno aus Kindsein, Musik, Kunst und Traum kreativen Widerstand gegen alles Zerstörerische. Könnten wir doch alles zur Ware Verdinglichte abstreifen, damit wir leidenschaftlich werden wie im Spiel. Mit- unter führen aus dem negativen Grau farbige Spuren unverhofft zu einem prekären Glück.

In der Vorrede seiner „Negativen Dialektik“ schreibt Adorno, mit diesem Werk lege er „die Karten auf den Tisch“. Wie sind diese Karten im Einzelnen beschaffen? Welchen Wert haben sie im konkreten „Spiel“? Die Tagung möchte Adornos philosophisches Denken nahebringen, sein Erkenntnisinteresse an der vernünftigen Einrichtung der Welt verständlich machen. Was sind die werkgeschichtlichen Zusammenhänge? Was hat Adorno mit der Hoffnung auf das ganz „Andere“ verbunden? Was bedeutet der Begriff „unreglementierter Erfahrung“ im Medium begrifflicher Reflexion und das für das Gesamtwerk zentrale „Denken in Konstellationen“?

„Solidarisch mit Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes sein“ – d.h. sich empören, engagieren, den Verbrechern das Handwerk legen und die Idee des Humanum beflügeln. Ohne Angst, ohne Gewalt, ohne Opfer leben.

Herzlich willkommen zum Diskurs im Schloss Tutzing!

Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
ehem. Studienleiter der Evangelischen Akademie Tutzing

Tagungs-Programm

Freitag, 01. Mai 2026
18.00 UhrAbendessen
19.00 Uhr60 Jahre „Negative Dialektik“ von Theodor W. AdornoBegrüßung
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
Prozess des Werdens. Anmerkungen zur Textgenese der „Negativen Dialektik“Einführung
Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm
20.15 UhrQuasi una fantasia. Adornos autofiktionales Projekt des Jahres 1966Mit unbekannten Briefen des jungen Teddie Wiesengrund, Bildern und Dokumenten
Reinhard Pabst
21.30 UhrBegegnungen und Gespräche in den Salons
18.00 Uhr
Abendessen
19.00 Uhr
60 Jahre „Negative Dialektik“ von Theodor W. AdornoBegrüßung
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
Prozess des Werdens. Anmerkungen zur Textgenese der „Negativen Dialektik“Einführung
Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm
20.15 Uhr
Quasi una fantasia. Adornos autofiktionales Projekt des Jahres 1966Mit unbekannten Briefen des jungen Teddie Wiesengrund, Bildern und Dokumenten
Reinhard Pabst
21.30 Uhr
Begegnungen und Gespräche in den Salons
Samstag, 02. Mai 2026
07.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
08.00 UhrFrühstück
09.00 UhrEgalitäres Denken. Eine Lesart der „Negativen Dialektik“Prof. em. Dr. Martin Seel
10.00 UhrAdornos „Negative Dialektik“ als philosophische SelbstverständigungEine Interpretation der „Negativen Dialektik“ in der Perspektive von Habermas' „Auch eine Geschichte der Philosophie“
Prof. Dr. Smail Rapic
11.00 UhrKaffeepause
11.30 UhrDie Pseudo-Angst der modernen GesellschaftProf. Dr. Eva Maria Ziege
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrAntisemitismus und Nicht-IdentitätPsychoanalytische und gesellschaftstheoretische Perspektiven
Prof.Dr. Ilka Quindeau
&
PD Dr. habil. Klaus Holz
15.30 UhrKaffee, Tee & Kuchen
16.00 UhrDas Urbild der NamenZur Verstandeskritik bei Adorno und Kant
Prof. Dr. Axel Hutter
17.00 UhrVerletzliches Fleisch, quälbarer Leib. Materialismus und Metaphysik bei AdornoDr. Peggy H. Breitenstein
18.00 UhrAbendessen
19.30 UhrBegegnungen und Gespräche in den Salons
07.45 Uhr
Morgenandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
08.00 Uhr
Frühstück
09.00 Uhr
Egalitäres Denken. Eine Lesart der „Negativen Dialektik“Prof. em. Dr. Martin Seel
10.00 Uhr
Adornos „Negative Dialektik“ als philosophische SelbstverständigungEine Interpretation der „Negativen Dialektik“ in der Perspektive von Habermas' „Auch eine Geschichte der Philosophie“
Prof. Dr. Smail Rapic
11.00 Uhr
Kaffeepause
11.30 Uhr
Die Pseudo-Angst der modernen GesellschaftProf. Dr. Eva Maria Ziege
12.30 Uhr
Mittagessen
14.00 Uhr
Antisemitismus und Nicht-IdentitätPsychoanalytische und gesellschaftstheoretische Perspektiven
Prof.Dr. Ilka Quindeau
&
PD Dr. habil. Klaus Holz
15.30 Uhr
Kaffee, Tee & Kuchen
16.00 Uhr
Das Urbild der NamenZur Verstandeskritik bei Adorno und Kant
Prof. Dr. Axel Hutter
17.00 Uhr
Verletzliches Fleisch, quälbarer Leib. Materialismus und Metaphysik bei AdornoDr. Peggy H. Breitenstein
18.00 Uhr
Abendessen
19.30 Uhr
Begegnungen und Gespräche in den Salons
Sonntag, 03. Mai 2026
07.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
08.00 UhrFrühstück
09.00 Uhr„Sterben heute“ Adornos metaphysische Meditationen über den richtigen Tod und das richtige Leben
Prof. Dr. Guido Kreis
10.00 UhrEr lässt sich nicht lesen. Anmerkungen zur „Unlesbarkeit“ Adornos im digitalen ZeitalterProf. Dr. Klaus Benesch
11.00 UhrSpaziergang im Park
11.30 UhrVom (Un)Glück, zu denken… Ein positiver Begriff der „Negativen Dialektik“Pfr. Heinrich Weniger
12.30 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen
07.45 Uhr
Morgenandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
08.00 Uhr
Frühstück
09.00 Uhr
„Sterben heute“ Adornos metaphysische Meditationen über den richtigen Tod und das richtige Leben
Prof. Dr. Guido Kreis
10.00 Uhr
Er lässt sich nicht lesen. Anmerkungen zur „Unlesbarkeit“ Adornos im digitalen ZeitalterProf. Dr. Klaus Benesch
11.00 Uhr
Spaziergang im Park
11.30 Uhr
Vom (Un)Glück, zu denken… Ein positiver Begriff der „Negativen Dialektik“Pfr. Heinrich Weniger
12.30 Uhr
Ende der Tagung mit dem Mittagessen

Mehr zum Thema

Literatur:
Theodor W. Adorno. Kindheit in Amorbach, Frankfurt am Main 2003
Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, Frankfurt am Main 1966
Peter E. Gordon, Prekäres Glück. Adorno und die Quellen der Normativität, Berlin 2025
Stefan Müller-Doohm, Adorno, Frankfurt am Main 2003
Hartmut Scheible, Theodor W. Adorno, Reinbek 1999

Referierende

Prof. Dr. Klaus Benesch, „LMU International Research Professor“ und emeritierter Professor für Anglistik und Amerikanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. Peggy H. Breitenstein, Vertretung der Professur für Praktische Philosophie. Institut für Philosophie. Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dr. habil. Klaus Holz, Generalsekretär a.D. Evangelische Akademien Deutschland e.V., Berlin

Prof. Dr. Axel Hutter, Lehrstuhlinhaber für Theoretische Philosophie an der Ludwig-Maximilian-Universität München
Prof. Dr. Guido Kreis, Associate Professor für Philosophie an der Universität Aarhus/ Dänemark
Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm, emeritierter Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Interaktions- und Kommunikationstheorie, Leiter der AG Kultur- und Kommunikationsforschung und der Adorno-Forschungsstelle Soziologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Reinhard Pabst, freier Autor, Literaturdetektiv, Biographie-Forschung, Ausstellungsmacher, Montabaur

Prof. Dr. Ilka Quindeau, Psychoanalytikerin, Professorin für Klinische Psychologie an der Frankfurt University of Applied Sciences, z. Zt.  Fellow am Zentrum für Antisemitismus-forschung an der Technischen Universität Berlin
Prof. Dr. Smail Rapic, Professor für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie und Philosophie der Neuzeit an der Bergische Universität Wuppertal
Prof. Dr. Martin Seel, emeritierter Professor für Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Pfr. Heiner Weniger, Systematische Theologie, Kunst + Kirche, Nürnberg
Prof. Dr. Eva-Maria Ziege, Professur für Politische Soziologie an der Universität Bayreuth

Preise & Informationen

VERANSTALTUNGSLEITUNG
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner, Freier Mitarbeiter, Evangelische Akademie Tutzing

ORGANISATION & INFORMATION
Anja Böhm, E-Mail: boehm@ev-akademie-tutzing.de; Tel. 08158 251-123. Ihre Anfragen zu der Veranstaltung erreichen uns in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr.

Anmeldung
Ihre Anmeldung erbitten wir über das Online-Formular auf unserer Homepage. Sie wird von uns bestätigt, ist verbindlich und Voraussetzung für die Teilnahme. Anmeldeschluss ist der 17. April 2026. Unsere Stornobedingungen entnehmen Sie unseren AGB

Abmeldung
Sollten Sie an der Teilnahme verhindert sein, bitten wir bis spätestens 24. April 2026 um entsprechende schriftliche Benachrichtigung. Unsere Stornobedingungen entnehmen Sie unserer Homepage.

Preise pro Person für die gesamte Veranstaltungsdauer (in Euro):

Vortragsgebühr                                                   90.–
(zzgl. Kaffee/Tee/Kuchen auch bei Teilnahme ohne Verpflegung)

Vollpension
– im Einzelzimmer                                            203.–
– im Zweibettzimmer                                        159.–
– im Zweibettzimmer als EZ                             227.–
Kurzzeitzuschlag für eine Übernachtung          10.–
Verpflegung (ohne Übernachtung/Frühstück)   66.–

Wir bitten um Begleichung bei Anreise durch Barzahlung oder EC-Karte. Bestellte und nicht in Anspruch genommene Einzelleistungen können nicht rückvergütet werden.

Die Tagung wird zu einem erheblichen Teil aus Kirchensteuermitteln finanziert.

Stipendien
Der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing fördert junge Menschen mit wenig Geld durch Bildungsstipendien, die eine kostenlose Teilnahme ermöglichen. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei der zuständigen Studienleitung.

Preisnachlass
Auszubildende, Schüler:innen, Student:innen (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitsuchende erhalten eine Ermäßigung von 50 Prozent. Journalist:innen wird der Teilnahmebeitrag erlassen, wenn ein aktueller Presseausweis einer ausstellungsberechtigten Organisation zusammen mit dem Auftrag zur Berichterstattung vorliegt. Eine Kopie Ihres Ausweises schicken Sie uns bitte mit Ihrer Anmeldung zu.

Weitere Informationen zu Schlosseuro / Datenschutz / AGB / E-Mobilität und umweltfreundlicher Anreise

Veranstaltungsnummer: 0722026

Bildnachweis: © Ilse Mayer-Gehrken/Suhrkamp Verlag

Programmänderungen vorbehalten.

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Hier finden Sie Informationen zu den aktuellen Umbaumaßnahmen im Ort.

Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee, Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 60.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.
Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen, z.B. Tagungen im Jungen Forum, Tages- und Abendveranstaltungen oder Konzerte!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing. Im Ort wird die Hauptstraße bis Ende 2025 umgebaut, was mit Beeinträchtigungen im Straßenverkehr verbunden ist.
 
Hier finden Sie Informationen zu den aktuellen Umbaumaßnahmen im Ort.

E-MOBILITÄT
Die E-Ladesäulen der Akademie befinden sich auf dem Parkplatz P2.
Die Karten dafür erhalten Sie an der Rezeption.