Im Wirtschaftswunderland – Silvester im Schloss

Tagung zu Silvester

Im Wirtschaftswunderland – Silvester im Schloss

30. Dezember - 01. Januar 2020

Inhalt

WIR SIND WIEDER WER!

– Aber wer denn eigentlich? Der Weltmeistertitel von 1954 war sicher ein im Nachkriegsdeutschland nicht erwartbarer sportlicher Triumph und hätte als Wunder von Bern ja schon genügt, um Euphorie auszulösen. Aber bereits zeitgenössisch und immer wieder in der Retrospektive wurde weit mehr in den 4. Juli 1954, quasi als zweites Gründungsdatum der Bundesrepublik, hineininterpretiert. War nicht auch der Wiederaufbau jetzt geschafft? Der Konjunkturaufschwung nahm so richtig Fahrt auf, die Bundesrepublik hatte die Westintegration mustergültig abgeschlossen, sie konnte sich als fast vollwertige Nation fühlen und den Nationalsozialismus als Irrweg einordnen, für den man durch eigene Verluste ausreichend gebüßt habe. Vieles sprach dafür, aber die Einseitigkeit dieser Perspektiven macht gleichzeitig schaudern.

Neun Jahre nach Kriegsende wurden eben nicht nur Erfolgsgeschichten geschrieben, sondern auch Geschichten von unwiederbringlichen  Verlusten,  unfassbarer Schuld und nie mehr gelungenem Anknüpfen an das Vorkriegsleben. Familien waren dezimiert und zerrissen worden, Kindheiten zerstört, Menschen unheilbar zu Tätern oder Opfern geworden. Konnte darüber ein Fußballsieg, ein „Rock around the clock“ oder ein Volkswagen hinwegtäuschen? Die paradoxe Antwort lautet: „jein“. Denn tatsächlich flankierten die Wohlstandsversprechen der Fünfzigerjahre die Übereinkunft der Mehrheitsgesellschaft, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wurde verschoben, erfolgte manchmal erst in den Sechzigerjahren, noch später oder nie. Darunter litten die Betroffenen, im verbreiteten Lebensgefühl  der Fünfzigerjahre ging das aber unter.

Überall schien es aufwärts zu gehen, Klassenschranken verloren an Bedeutung und neue Freiheiten lockten. Radio, Kino, bald sogar  Fernsehen sorgten in bis  dahin unbekannter Weise für Massenunterhaltung, und aus den USA kamen ganz neue Töne. Elvis Presley eroberte Deutschland nicht als amerikanischer Soldat, sondern als der King of Rock 'n' Roll. Ambivalenzen indes auch in der Alltagskultur: Gelsenkirchner Barock, Hausfrauenideal und „Pack die Badehose ein“ hier; Egon Eiermann, Halbstarke und „Hotten“ dort.

Lassen Sie uns zum Jahreswechsel hineinhören, hineinsehen und hineinschmecken in dieses spannende Jahrzehnt – herzliche  Einladung zur Silvestertagung im Schloss Tutzing!
 
Dr. Ulrike Haerendel, Studienleiterin, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungs-Programm

Montag, 30. Dezember 2020
Anreise der Gäste ab 13.00 Uhr
15.00 Uhr„Kaffeeklatsch“ im Foyer
15.30 UhrBegrüßungDr. Ulrike Haerendel
15.45 UhrKeine Zeit für Schuld und Scham? Deutschland zwischen Wiederaufbau und WirtschaftswunderProf. Dr. Edgar Wolfrum
16.45 Uhr„Es war einmal in Deutschland“(Film D 2017, 102 Min.)
18.30 UhrAbendessen
20.30 UhrRadiokultur zwischen Umerziehung und UnterhaltungsmusikLive-Feature von
Bettina Hasselbring M.A.
22.00 UhrAusklang in den Salons des Schlosses
Anreise der Gäste ab 13.00 Uhr
15.00 Uhr
„Kaffeeklatsch“ im Foyer
15.30 Uhr
BegrüßungDr. Ulrike Haerendel
15.45 Uhr
Keine Zeit für Schuld und Scham? Deutschland zwischen Wiederaufbau und WirtschaftswunderProf. Dr. Edgar Wolfrum
16.45 Uhr
„Es war einmal in Deutschland“(Film D 2017, 102 Min.)
18.30 Uhr
Abendessen
20.30 Uhr
Radiokultur zwischen Umerziehung und UnterhaltungsmusikLive-Feature von
Bettina Hasselbring M.A.
22.00 Uhr
Ausklang in den Salons des Schlosses
Dienstag, 31. Dezember 2020
07.45 UhrAuskehrschwung am Morgen
08.00 UhrFrühstück
09.00 UhrAndacht zum Jahresausklang in der Schlosskapelle
Dr. Ulrike Haerendel
09.30 UhrEin Wirtschaftswunder in weiß und blau? Industrialisierung und Strukturpolitik in Bayern nach 1945PD Dr. Thomas Schlemmer
10.30 UhrKaffeepause
11.00 UhrAusgebliebene Modernisierung: Das Beispiel von Münchens WiederaufbauDr.-Ing. Carmen M. Enss
12.00 Uhr„Eine Stadt feiert Geburtstag“(Film, BRD 1958, 15 Min.)
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrKleiner Parkrundgang
14.15 Uhr„Frau Fritz Thyssen“. Aus dem Leben der reichsten Frau der Ära AdenauerProf. Dr. Hans Günter Hockerts
15.15 UhrBohnenkaffee & Kalter Hund
15.45 UhrVorbild Amerika? Musik, Film, Werbung und ihre Einflüsse auf die bundesdeutsche GesellschaftProf. Dr. Kaspar Maase
16.45 Uhr Kintopp: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“(Film USA, 1955, 106 Min.)
19.15 UhrFestliches Silvester-Menü
22.00 Uhr„Stell Dir vor, wir hätten was zu rauchen“Eine Nachkriegsrevue mit
Julia von Miller
Anatol Regnier
Frederic Hollay
23.50 UhrJahreswechsel auf der Seeterrasse
anschließend Ausklang in den Salons des Schlosses
07.45 Uhr
Auskehrschwung am Morgen
08.00 Uhr
Frühstück
09.00 Uhr
Andacht zum Jahresausklang in der Schlosskapelle
Dr. Ulrike Haerendel
09.30 Uhr
Ein Wirtschaftswunder in weiß und blau? Industrialisierung und Strukturpolitik in Bayern nach 1945PD Dr. Thomas Schlemmer
10.30 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Ausgebliebene Modernisierung: Das Beispiel von Münchens WiederaufbauDr.-Ing. Carmen M. Enss
12.00 Uhr
„Eine Stadt feiert Geburtstag“(Film, BRD 1958, 15 Min.)
12.30 Uhr
Mittagessen
14.00 Uhr
Kleiner Parkrundgang
14.15 Uhr
„Frau Fritz Thyssen“. Aus dem Leben der reichsten Frau der Ära AdenauerProf. Dr. Hans Günter Hockerts
15.15 Uhr
Bohnenkaffee & Kalter Hund
15.45 Uhr
Vorbild Amerika? Musik, Film, Werbung und ihre Einflüsse auf die bundesdeutsche GesellschaftProf. Dr. Kaspar Maase
16.45 Uhr
Kintopp: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“(Film USA, 1955, 106 Min.)
19.15 Uhr
Festliches Silvester-Menü
22.00 Uhr
„Stell Dir vor, wir hätten was zu rauchen“Eine Nachkriegsrevue mit
Julia von Miller
Anatol Regnier
Frederic Hollay
23.50 Uhr
Jahreswechsel auf der Seeterrasse
anschließend Ausklang in den Salons des Schlosses
Mittwoch, 01. Januar 2020
08.00 UhrNeujahrsgruß auf der Seeterrasse
anschließend Frühstück
09.30 Uhr„Mein sind die Jahre nicht …“Musikalische Morgenandacht in der Schlosskapelle
mit Anne Krafft (Querflöte)
10.30 UhrKunst und Vergangenheitsbewältigung: Musik im NachkriegsdeutschlandProf. Dr. Dörte Schmidt
11.30 UhrReicher Westen – Frommer Osten? Evangelische Begegnungen im geteilten DeutschlandProf. Dr. Claudia Lepp
12.30 UhrVerabschiedung ins neue Jahr und Ende der Tagung
08.00 Uhr
Neujahrsgruß auf der Seeterrasse
anschließend Frühstück
09.30 Uhr
„Mein sind die Jahre nicht …“Musikalische Morgenandacht in der Schlosskapelle
mit Anne Krafft (Querflöte)
10.30 Uhr
Kunst und Vergangenheitsbewältigung: Musik im NachkriegsdeutschlandProf. Dr. Dörte Schmidt
11.30 Uhr
Reicher Westen – Frommer Osten? Evangelische Begegnungen im geteilten DeutschlandProf. Dr. Claudia Lepp
12.30 Uhr
Verabschiedung ins neue Jahr und Ende der Tagung

Referierende

Referierende:
Dr. Carmen M. Enss, Architekturhistorikerin, Wiss. Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien der Universität Bamberg
Bettina Hasselbring M.A., Historikerin, Leiterin des Historischen Archivs beim Bayerischen Rundfunk, München
Prof. Dr. Hans Günter Hockerts, emer., Historiker, Lehrstuhl für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte, Universität München
Prof. Dr. Claudia Lepp, Historikerin, Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte, Universität München
Prof. Dr. Kaspar Maase, Kulturwissenschaftler, apl. Prof. i.R., Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenscha , Universität Tübingen
PD Dr. Thomas Schlemmer, Historiker, Institut für Zeitgeschichte, München
Prof. Dr. Dörte Schmidt, Professorin für Musikwissenschaft , Universität der Künste Berlin, Präsidentin der Gesellschaft für Musikforschung, Berlin
Prof. Dr. Edgar Wolfrum, Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Universität Heidelberg
 
Künstlerinnen und Künstler:
Dr. Frederic Hollay, Pianist, Musiker, München
Anne Krafft, Musiklehrerin für Querflöte, Orchesterleiterin und Musikwissenschaftlerin, München
Julia von Miller, Sängerin, Musikerin, Moderatorin, München
Anatol Regnier, Schriftsteller, Chansonnier und Gitarrist, München

Preise & Informationen

Tagungsleitung
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungsorganisation
Rita Niedermaier, T.: 08158 251-128, Fax: 08158 251-99 64 28; E-Mail: niedermaier@ev-akademie-tutzing.de, beantwortet Ihre Anfragen zu dieser Veranstaltung in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr.

Anmeldung
Ihre Anmeldung erbitten wir schri lich, mit anhängender Karte oder direkt online. Ihre Anmeldung wird von uns bestätigt und ist verbindlich.
Anmeldeschluss ist der 1. Dezember 2019. Die Tagung kann nur für die gesamte Dauer gebucht werden.

Abmeldung
Sollten Sie kurzfristig an der Teilnahme verhindert sein, bitten wir bis spätestens zum 16. Dezember 2019 um entsprechende schriftliche Benachrichtigung, andernfalls werden Ihnen 50 % des vollen Preises, ab 20. Dezember 2019 100 % der von Ihnen bestellten Leistungen in Rechnung gestellt. Nach Abmeldefrist entfällt der Anspruch auf Ermäßigung. Sie erhalten von uns eine schriftliche Bestätigung über den Eingang Ihrer Abmeldung. Zu Ihrer Buchung empfehlen wir den Abschluss einer Seminar-Versicherung.

Preise
für die gesamte Tagungsdauer

Teilnahmebeitrag                                                       190.– €

Verpflegung (ohne Übernachtung/Frühstück)           111.– €

Vollpension
– im Einzelzimmer                                                   233.50 €
– im Zweibettzimmer                                               189.50 €

Wir bitten um Begleichung nach Erhalt der Rechnung. Bestellte und nicht in Anspruch genommene Einzelleistungen können nicht rückvergütet werden.

Sonderkost
Gerne bietet unsere Küche gegen einen Aufpreis von 10.– € pro Person & Veranstaltung bei streng veganem Essen, Unverträglichkeiten oder Allergien die Zubereitung einer Sonderkost an – s. Anmeldekarte.

Preisnachlass
Auszubildende, SchülerInnen, StudentInnen (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitsuchende erhalten eine Ermäßigung von 50 %. JournalistInnen wird der Teilnahmebeitrag erlassen, wenn der Presseausweis von einer ausstellungsberechtigten Organisation zusammen mit dem Auftrag zur Berichterstattung vorliegt. Bei Inanspruchnahme einer Ermäßigung schicken Sie uns bitte eine Kopie Ihres Ausweises mit Ihrer Anmeldung zu.
 
Die Tagung wird zu einem erheblichen Teil aus Kirchensteuermitteln finanziert.

Stiftung Schloss Tutzing
Der Tagungsbeitrag beinhaltet einen Anteil, der der Stiftung zugute kommt. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, für den Erhalt des denkmalgeschützten Gesamtensembles „Schloss und Park Tutzing“ Sorge zu tragen. Möchten Sie der Stiftung darüber hinaus einen Betrag zukommen lassen, stellen wir Ihnen gerne eine Spendenbescheinigung aus.

Verkehrsverbindungen
Für die Planung Ihrer Anreise nutzen Sie bitte das Portal Greenmobility auf unserer Homepage. Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen.
Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Ab München Hbf: S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: 10 Minuten. Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis Starnberg, von Starnberg auf der B2 bis Traubing, dort links nach Tutzing.
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.

Bildnachweis: Fürsorgerin mit dem Rad unterwegs. Foto: Inge Loeffler, 1950, © Stadtarchiv München, FS-NL-LOE; Adobe Stock.com
Tagungsnummer: 0242020

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:

 


 
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.
Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen, z.B. Tagungen im Jungen Forum, Tages- und Abendveranstaltungen oder Konzerte!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.