Familienpolitik als Verfassungsauftrag

Familienpolitik als Verfassungsauftrag

20. März 2021

Inhalt



FAMILIENPOLITIK ALS VERFASSUNGSAUFTRAG

Krisen, so sagt man, machen Verhältnisse und Probleme sichtbar, die vorher schon da waren, aber zu wenig beachtet wurden. Gilt das auch für die Familie? Wie wichtig, ja unersetzlich sie ist, hat Corona überdeutlich gemacht: Familie als Raum der Geborgenheit, als Ort des Überstehens der Pandemie! Das ist eine Erfahrung aus den letzten zwölf Monaten, die wir nicht vergessen sollten.

Das Grundgesetz stellt die Familie unter besonderen Schutz. Und auch in der Zivilgesellschaft – ebenso bei jungen Menschen – genießt die Familie hohe und höchste Wertschätzung, wie Umfragen immer wieder belegen. Aber was bedeutet Familie heute in der Wirklichkeit? Innerhalb weniger Jahrzehnte haben sich die Familienverhältnisse in Deutschland und auch der Begriff Familie tiefgreifend verändert. Neben die klassische Ehe und Kleinfamilie ist eine Vielfalt an Lebensmodellen getreten: Mehr als ein Drittel der Kinder in Deutschland werden außerhalb der Ehe geboren, fast jede fünfte Familie ist alleinerziehend und geschätzt jede zehnte – eine Patchworkfamilie. Nichteheliche Lebensgemeinschaften ebenso wie eingetragene Lebenspartnerschaften und gleichgeschlechtliche Ehen erfahren, selbst im kirchlichen Kontext, zunehmend Gleichstellung. Immer mehr Frauen in Deutschland entscheiden sich gegen Kinder. Ihr Anteil gehört zu den höchsten in Europa. Ökonomen versuchen dieses Phänomen mit steigenden „Opportunitätskosten“, dem Ergebnis einer persönlichen Kosten-Nutzen-Analyse zu erklären. Offensichtlich ist, dass heute für viele Menschen die Institutionen und Infrastrukturen nicht mehr zu den veränderten Lebens- und Familienverhältnissen passen. Die Familienverhältnisse sind, wie die Gesellschaft insgesamt, in ethnischer, kultureller und religiös-weltanschaulicher Sicht pluralistischer geworden.

Was folgert daraus für die Familienpolitik und wie kann sie – in Zeiten heftiger kultureller, sozialer, kommunikativer Veränderungen und mit den Erfahrungen der Pandemie – ihrem Verfassungsauftrag nachkommen? Einzelne Ziele der Familienpolitik sind in der gesellschaftlichen und politischen Debatte wie auch in der Wissenschaft durchaus umstritten. Familienpolitik ist zugleich Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Sozial-, Finanz- und Wirtschaftspolitik. Umso wichtiger ist die Verständigung über gemeinsame, tragfähige Perspektiven.

Darum soll es in der Frühjahrstagung des Politischen Clubs gehen: Um Begriff, Verständnis und Praxis von Familie heute und nach den Pandemieerfahrungen; um die Frage, was moderne Familienpolitik leisten kann und muss – angesichts der vielfältigen Realität von Familie, angesichts von sozialen und kulturellen Ungleichheiten und Ungleichzeitigkeiten, angesichts eines veränderten Selbstverständnisses und Anspruchs auf berufliche Selbstverwirklichung und der bleibenden gesellschaftlichen Aufgabe, Kindern Geborgenheit und Zuwendung zu ermöglichen. Es geht um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Diskutieren Sie mit!


Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing
Dr. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., Leiter des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing

Tagungs-Programm

Samstag, 20. März 2021
09.45 UhrBegrüßung und Einführung
Pfr. Udo Hahn
und
Dr. Wolfgang Thierse
10.00 UhrDie Familie in der Corona-Pandemie: Bewährung - Gefährdung - Veränderungen Prof. Dr. Jutta Allmendinger
11.15 UhrPause
11.30 UhrAktuelle Aufgaben der Familienpolitik angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie Staatssekretärin Juliane Seifert
12.45 UhrMittagspause
13.30 UhrFamilienpolitik in der Geschichte der Bundesrepublik: Erfolge, Misserfolge, ZukunftsaufgabenProf. Dr. Irene Gerlach
14.45 UhrPause
15.00 UhrVeränderungen in Verständnis und Praxis von FamilieProf. Dr. Anja Steinbach
16.15 UhrPause
16.30 UhrAktuelle Aufgaben und Streitpunkte der Familienpolitik in und nach CoronaPodiumsgespräch mit:
Susann Rüthrich MdB
Beate Walter-Rosenheimer MdB
und
Marcus Weinberg MdB
18.00 UhrAbschluss der Veranstaltung
09.45 Uhr
Begrüßung und Einführung
Pfr. Udo Hahn
und
Dr. Wolfgang Thierse
10.00 Uhr
Die Familie in der Corona-Pandemie: Bewährung - Gefährdung - Veränderungen Prof. Dr. Jutta Allmendinger
11.15 Uhr
Pause
11.30 Uhr
Aktuelle Aufgaben der Familienpolitik angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie Staatssekretärin Juliane Seifert
12.45 Uhr
Mittagspause
13.30 Uhr
Familienpolitik in der Geschichte der Bundesrepublik: Erfolge, Misserfolge, ZukunftsaufgabenProf. Dr. Irene Gerlach
14.45 Uhr
Pause
15.00 Uhr
Veränderungen in Verständnis und Praxis von FamilieProf. Dr. Anja Steinbach
16.15 Uhr
Pause
16.30 Uhr
Aktuelle Aufgaben und Streitpunkte der Familienpolitik in und nach CoronaPodiumsgespräch mit:
Susann Rüthrich MdB
Beate Walter-Rosenheimer MdB
und
Marcus Weinberg MdB
18.00 Uhr
Abschluss der Veranstaltung

Referierende

Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Irene Gerlach, Professur für Politikwissenschaft / Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Co-Leitung des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik, Bochum
Susann Rüthrich MdB (SPD), Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Meißen
Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin
Prof. Dr. Anja Steinbach, Professur für Soziologie (Schwerpunkte: Familien- und Migrationssoziologie) am Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen
Beate Walter-Rosenheimer MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Fürstenfeldbruck
Marcus Weinberg MdB (CDU), familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Hamburg

Preise & Informationen


Tagungsleitung
Pfr. Udo Hahn / Dr. Anna Wolf, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D.

Anmeldung
Isabelle Holzmann, Tel.: 08158 251-121, Fax: 08158 251-110, E-Mail: holzmann@ev-akademie-tutzing.de, beantwortet Ihre Anfragen zu dieser Veranstaltung in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr. Ihre Anmeldung erbitten wir direkt online. Ihre Anmeldung wird von uns bestätigt und ist verbindlich; mit der Buchungsbestätigung erhalten Sie von uns eine Rechnungstellung - mit der Bitte um Überweisung des genannten Betrags. Nach Eingang der Summe auf unserem Konto senden wir Ihnen die Login-Daten zu.
Anmeldeschluss ist der 15. März 2021.


Preise
Vortragspauschale (gesamt) 25,- € / erm. 12,50 €


Preisnachlass
Auszubildende, SchülerInnen, StudentInnen (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitsuchende erhalten eine Ermäßigung von 50 %. JournalistInnen wird der Teilnahmebeitrag erlassen, wenn der Presseausweis von einer ausstellungsberechtigten Organisation zusammen mit dem Auftrag zur Berichterstattung vorliegt. Bei Inanspruchnahme einer Ermäßigung schicken Sie uns bitte eine Kopie Ihres Ausweises mit Ihrer Anmeldung zu.

Ort
Sie wird auf einer Plattform stattfinden, die die Anwendung von „Zoom“ EKD-DSGVO-konform umsetzt. Auch für Interessierte ohne besondere Vorkenntnisse ist unsere Onlinetagung somit leicht nutzbar. Wir werden Ihnen vor dem 20. März 2021 per E-Mail den Link sowie technische Hinweise zur Teilnahme senden.

Ort & Anreise

Sie wird auf einer Plattform stattfinden, die die Anwendung der Videokonferenzplattform „ZOOM“ EKD-DSGVO-konform umsetzt. Auch für Interessierte ohne besondere Vorkenntnisse ist unsere Onlinetagung somit leicht nutzbar.