Deutschland in der Stunde Null

Deutschland in der Stunde Null

17. - 19. April 2020

Inhalt

„DA HABEN WIR UNS SO DURCHGESCHLAGEN …"

So wie die Zeitzeugin aus dem Ruhrgebiet beschreiben viele im Nachhinein die Zeiten des Übergangs. Mit der verlorenen Schlacht von Stalingrad Anfang 1943 setzte nicht nur eine psychische Ablösung vom Regime in der deutschen Bevölkerung ein. Unter den Bedingungen des Luftkriegs funktionierte die Diktatur nicht mehr in der gleichen Weise. Die Notwendigkeit der Selbsthilfe und die errungene Selbstständigkeit gerade vieler Frauen verschoben auch den Blick auf die Autoritäten des NS-Staates, deren Durchhalteparolen man immer weniger Glauben schenkte.

Aber der Krieg ging an den verschiedenen Fronten, die Deutschland in Europa eröffnet hatte, noch zwei Jahre weiter und forderte ungeheure Opfer. Für die deutsche Bevölkerung bestimmte der Luftkrieg den Alltag. Gleichzeitig blieb die Diktatur gewaltsam und gefährlich bis in ihre letzten Tage: Ob Parteifunktionäre, beauftragte oder selbsternannte „Wehrwolf“-Einheiten Jagd auf Deserteure und „Verräter“ machten oder man allzu laut seine Zweifel am „Endsieg“ geäußert hatte – Gefahr für Leib und Leben drohte nicht nur von den alliierten Bomben. Für die unzähligen Zwangsarbeiter, die Häftlinge in den Konzentrationslagern, die wenigen Juden, die noch nicht deportiert worden waren, galt „Überleben!“ als tägliche Losung im Blick auf die ersehnte Befreiung.
 
Als „Displaced Persons“ erlebten sie die Nachkriegsjahre anders als die deutsche Mehrheitsbevölkerung, die sich mindestens bis zur Währungsreform 1948 weiterhin „durchschlug“. Von Politik und gar Vergangenheitsbewältigung wollten die meisten Deutschen nichts wissen und waren bereit, auch notorische  „Nazis“ zu schonen, selbst wenn diese in der Demokratie schnell wieder zu einem Posten gekommen waren.
 
Die Zeit zwischen Stalingrad und Währungsreform schreiben wir in dieser Tagung weniger als Politikgeschichte,  denn als Sozial- und Erfahrungsgeschichte. Vieles ist selbst für die, die sie erlebt haben, 75 Jahre nach Kriegsende irritierend. Historikerinnen und Historiker helfen uns bei der Einordnung und berichten aus der Forschung. Wir geben auch Gelegenheit, sich miteinander auszutauschen. Dabei interessiert uns nicht nur das Selbsterlebte, sondern auch, was die Nachgeborenen in ihren Familien gehört haben und mit welchen Erzählungen sie groß geworden sind. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Das wollen wir zuletzt anhand des Fluchtgeschehens, das heute eine ganz andere Aktualität in Deutschland
hat, reflektieren.

Herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!

Dr. Ulrike Haerendel, Studienleiterin für Soziales, Familie und Generationen, Geschlechter- und Gleichstellungsfragen, Geschichte
Evangelische Akademie Tutzing
 

Tagungs-Programm

Freitag, 17. April 2020
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 UhrBeginn der Tagung mit dem Abendessen
19.00 UhrBegrüßung
Dr. Ulrike Haerendel
19.15 UhrKriegsende. Europäische und deutsche PerspektivenProf. Dr. Ulrich Herbert
20.15 UhrVon Stalingrad zur Währungsreform:Ein 30 Jahre altes Konzept und der Gang der Forschung
Interview mit
Prof. Dr. Paul Erker
Moderation:
Dr. Ulrike Haerendel
21.00 UhrGespräche in den Salons des Schlosses
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 Uhr
Beginn der Tagung mit dem Abendessen
19.00 Uhr
Begrüßung
Dr. Ulrike Haerendel
19.15 Uhr
Kriegsende. Europäische und deutsche PerspektivenProf. Dr. Ulrich Herbert
20.15 Uhr
Von Stalingrad zur Währungsreform:Ein 30 Jahre altes Konzept und der Gang der Forschung
Interview mit
Prof. Dr. Paul Erker
Moderation:
Dr. Ulrike Haerendel
21.00 Uhr
Gespräche in den Salons des Schlosses
Samstag, 18. April 2020
07.45 UhrMorgengruß am See
09.00 UhrEndphaseverbrechen und das Beispiel der „Penzberger Mordnacht“Prof. Dr. Edgar Wolfrum
10.00 Uhr„Pilotenjagd“: abgestürzte US-Flieger und die DeutschenDr. Susanne Meinl
11.00 UhrKaffeepause
11.30 UhrDie Befreiung des Konzentrationslagers Dachau und seiner AußenlagerDr. Gabriele Hammermann
12.30 UhrMittagessen
14.30 UhrBefreit? Heimjugend in der Stunde NullDr. Uwe Kaminsky
15.30 UhrKaffeepause
16.00 UhrErzählcafés(parallel)
1) Erfahrungen von Flucht und Vertreibung
2) Kriegskindheiten
3) Integration
17.30 UhrBerichte aus den Erzählcafés
18.00 UhrAbendessen
19.00 UhrMod Helmy: Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo retteteIgal Avidan
20.30 Uhr„Die Kinder von Markt Indersdorf“(Film Arte, Frankreich 2018, 53 Min.)
und anschließendes Filmgespräch
21.45 UhrGespräche in den Salons des Schlosses
07.45 Uhr
Morgengruß am See
09.00 Uhr
Endphaseverbrechen und das Beispiel der „Penzberger Mordnacht“Prof. Dr. Edgar Wolfrum
10.00 Uhr
„Pilotenjagd“: abgestürzte US-Flieger und die DeutschenDr. Susanne Meinl
11.00 Uhr
Kaffeepause
11.30 Uhr
Die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau und seiner AußenlagerDr. Gabriele Hammermann
12.30 Uhr
Mittagessen
14.30 Uhr
Befreit? Heimjugend in der Stunde NullDr. Uwe Kaminsky
15.30 Uhr
Kaffeepause
16.00 Uhr
Erzählcafés(parallel)
1) Erfahrungen von Flucht und Vertreibung
2) Kriegskindheiten
3) Integration
17.30 Uhr
Berichte aus den Erzählcafés
18.00 Uhr
Abendessen
19.00 Uhr
Mod Helmy: Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo retteteIgal Avidan
20.30 Uhr
„Die Kinder von Markt Indersdorf“(Film Arte, Frankreich 2018, 53 Min.)
und anschließendes Filmgespräch
21.45 Uhr
Gespräche in den Salons des Schlosses
Sonntag, 19. April 2020
07.45 UhrAndacht in der Schlosskapelle
09.15 UhrIm Schatten der Patientenmorde: Bürokratie und Gesundheit nach dem Krieg am Beispiel BayernsSophie Friedl, M.A.
10.15 UhrFlüchtlinge und Vertriebene in BayernDr. Ulrike Haerendel
11.00 UhrPause
11.30 UhrDeutschland und seine „Flüchtlingsfrage“. Die Gegenwart im Lichte der VergangenheitDr. habil. Mathias Beer
12.30 UhrFeedbackrunde
12.45 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen
07.45 Uhr
Andacht in der Schlosskapelle
09.15 Uhr
Im Schatten der Patientenmorde: Bürokratie und Gesundheit nach dem Krieg am Beispiel BayernsSophie Friedl, M.A.
10.15 Uhr
Flüchtlinge und Vertriebene in BayernDr. Ulrike Haerendel
11.00 Uhr
Pause
11.30 Uhr
Deutschland und seine „Flüchtlingsfrage“. Die Gegenwart im Lichte der VergangenheitDr. habil. Mathias Beer
12.30 Uhr
Feedbackrunde
12.45 Uhr
Ende der Tagung mit dem Mittagessen

Referierende

Igal Avidan, Politikwissenschaftler, Journalist und Autor, Berlin
Dr. habil. Mathias Beer, Migrationsforscher, Geschäftsführer und stellv. Leiter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Lehrbeauftragter an der Eberhard Karls Universität Tübingen
Prof. Dr. Paul Erker, apl. Prof. im Bereich Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München
Sophie Friedl, M.A., Doktorandin am Institut für Zeitgeschichte, München – Berlin
Dr. Ulrike Haerendel, Historikerin, Studienleiterin für Soziales, Familie und Generationen, Geschlechter- und Gleichstellungsfragen, Geschichte an der Evangelischen Akademie Tutzing
Dr. Gabriele Hammermann, Historikerin, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau
Prof. Dr. Ulrich Herbert, Forschungsgruppe Zeitgeschichte der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, derzeit Gastprofessor an der London School of Economics, London
Dr. Uwe Kaminsky, Historiker, wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre, Evangelisch-theologische Fakultät, Ruhr-Universität Bochum
Dr. Susanne Meinl, Historikerin und freie Autorin, Dietramszell
Prof. Dr. Edgar Wolfrum, Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Universität Heidelberg

Preise & Informationen

Tagungsleitung
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungsorganisation
Rita Niedermaier, Telefon: 08158 251-128, Telefax: 08158 99 64 28, E-Mail: niedermaier@ev-akademie-tutzing.de, beantwortet Ihre Anfragen zu der Veranstaltung in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr.

Anmeldung
Ihre Anmeldung erbitten wir schriftlich, mit anhängender Karte oder direkt online. Ihre Anmeldung wird von uns bestätigt und ist verbindlich.
Anmeldeschluss ist 3. April 2020.

Abmeldung
Sollten Sie kurzfristig an der Teilnahme verhindert sein, bitten wir bis spätestens 10. April 2020 um entsprechende schriftliche Benachrichtigung, andernfalls werden Ihnen 50 % des vollen Preises, am Tag des Tagungsbeginns 100 % der von Ihnen bestellten Leistungen in Rechnung gestellt. Nach Abmeldefrist entfällt der Anspruch auf Ermäßigung. Sie erhalten von uns eine schriftliche Bestätigung über den Eingang Ihrer Abmeldung. Zu Ihrer Buchung empfehlen wir den Abschluss einer Seminar-Versicherung.

Preise pro Person
für die gesamte Tagungsdauer (in €):                                                                     erm.

Vortragsgebühr                                                                                      70.–          35.–
(zzgl. Kaffee/Tee/Kuchen auch bei Teilnahme ohne Verpflegung)

Vollpension
– im Einzelzimmer                                                                               166.–
– im Zweibettzimmer                                                                           122.–
– im Zweibettzimmer als EZ                                                                182.–

Verpflegung (ohne Übernachtung/Frühstück)                                       49.–
Kurzzeitzuschlag für eine Übernachtung                                              10.–

STUDIERENDENTICKET                                                                                   96.–
(gesamte Tagung & Vollpension im DZ)

Sonderkost
Gerne bietet unsere Küche gegen einen Aufpreis von 10.– € pro Person & Veranstaltung bei streng veganem Essen, Unverträglichkeiten oder Allergien die Zubereitung einer Sonderkost an.

Wir bitten um Begleichung bei Anreise durch Barzahlung oder EC-Karte. Bestellte und nicht in Anspruch genommene Einzelleistungen können nicht rückvergütet werden.

Preisnachlass
Auszubildende, SchülerInnen, StudentInnen (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitsuchende erhalten eine Ermäßigung von 50 %. JournalistInnen wird der Teilnahmebeitrag erlassen, wenn der Presseausweis von einer ausstellungsberechtigten Organisation vorliegt. Eine Kopie Ihres Ausweises schicken Sie uns bitte mit Ihrer Anmeldung zu.
 
Die Evangelische Akademie Tutzing ist Mitglied der Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD) e.V., Berlin.

Die Tagung wird zu einem erheblichen Teil aus Kirchensteuermitteln finanziert.

Stiftung Schloss Tutzing / Schlosseuro
Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, für den Erhalt des denkmalgeschützten Gesamtensembles „Schloss und Park Tutzing“ Sorge zu tragen. Mit dem Schlosseuro (bereits in der Vortragsgebühr enthalten) unterstützen Sie deren Projekte. Möchten Sie der Stiftung darüber hinaus einen Betrag zukommen lassen, stellen wir Ihnen gerne eine Spendenbescheinigung aus.

Verkehrsverbindungen
Für die Planung Ihrer klimaneutralen Anreise nutzen Sie bitte das Portal Greenmobility auf unserer Homepage. Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.

Bildnachweis: Flüchtlinge 1945 DE-1992-FS-NK-STL-0173, © Stadtarchiv München
Tagungsnummer: 0452020

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:

 


 
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass.
Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen, z.B. Tagungen im Jungen Forum, Tages- und Abendveranstaltungen oder Konzerte!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.