Bildergalerie: Irina Scherbakowa beim “Forum Demokratie”
von Pressestelle × am 12. Februar 2026Eine Preisverleihung zum Auftakt des neues Veranstaltungsangebots “Forum Demokratie”. Am 11. Februar 2026 wurde Irina Scherbakowa, die Mitbegründerin der russischen Menschenrechtsorganisation “Memorial”, mit dem “Tutzinger Löwen” der Evangelischen Akademie Tutzing geehrt. Der Abend in Bildern.
Fotos: Grass / eat archiv
Dr. Irina Scherbakowa (Mitte) neben der Schirmherrin des Abends Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, und Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.
In der Begründung für die Auszeichnung “Tutzinger Löwe 2026” heißt es:
“Die Evangelische Akademie Tutzing ehrt Dr. Irina Scherbakowa,
Mitgründerin der russischen Menschenrechtsorganisation ‘Memorial’ mit dem ‘Tutzinger Löwen’.
Ihr unermüdlicher Einsatz für eine Erinnerungskultur ist von Aufklärung, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Verteidigung der Freiheit geprägt. Mit ihrer Zivilcourage ist sie ein Vorbild für verantwortungsbewusstes und mutiges Engagement, das die Zivilgesellschaft fördert und die Demokratie stärkt.”
“Die Entwicklung der letzten dreißig, vierzig Jahre hat in allen Demokratien gezeigt, wie wichtig eine aktive Zivilgesellschaft ist. Das gilt u.a. auch für Russland. Wo aber Zivilgesellschaft bekämpft, eingeschränkt oder gar kriminalisiert wird, entwickeln sich Autokratien, in denen Grundrechte verletzt werden. Russland hat diesen Weg eingeschlagen. Umso größere Anerkennung verdient der Mut und das Engagement von zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Dr. Irina Scherbakowa – Germanistin, Kulturwissenschaftlerin, Historikerin und Bürgerrechtlerin: und Mitgründerin der unabhängigen Menschenrechtsorganisation Memorial.” – so Akademiedirektor Udo Hahn in seiner Begrüßungsrede
Als Schirmherrin des neuen Tutzinger Formats “Forum Demokratie” würdigte die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) den Einsatz Irina Scherbakowas. “Erinnern ist Ihr Widerstand!”, sagte Aigner. Nur mithilfe der Erinnerung könne eine Gesellschaft “die Gegenwart einordnen und gestalten”. Am russischen Angriffskrieg auf die Ukraine könne man hingegen die “entsetzlichen Folgen” ablesen, wenn eine Diktatur die Deutungshoheit über die Vergangenheit an sich reiße: “Geschichte wird zur Waffe, Ereignisse werden verdreht, Schuld wird umgedeutet”, sagte die Landtagspräsidentin. Beim Thema Erinnerungskultur müsse eine Demokratie allen Schlussstrich-Forderungen entschieden entgegentreten.
(epd)
Irina Scherbakowa, Mitbegründerin der russischen Menschenrechtsorganisation “Memorial” wies in ihrer Rede auf die Bedeutung von lebendiger Erinnerungskultur für die Demokratie hin. Seit ihrer Gründung 1989 habe Memorial Fotos, Dokumente und private Gegenstände von ehemaligen politischen Häftlingen gesammelt, öffentlich zugänglich gemacht und so die Bewältigung der Sowjet-Vergangenheit in Gang gesetzt, sagte Scherbakowa. Das Putin-Regime jedoch zerstöre schon seit Jahren systematisch “die Erinnerung, schließt Archive und indoktriniert Schülerinnen und Schüler”.
Geschichte sei für den Kreml-Herrscher nur “eine Quelle für nationalistische Mythen und Konstrukte” zur Bildung einer neuen nationalen Identität, sagte die Aktivistin, die für ihr Engagement mit dem “Tutzinger Löwen” ausgezeichnet wurde. Ende 2021 war Memorial in Russland verboten worden. 2022 erhielt die Organisation den Friedensnobelpreis. Irina Scherbakowa lebt seit Juli 2022 in Deutschland und führt die Arbeit aus dem Exil fort.
(epd)
Der Festakt im Musiksaal der Akademie wurde begleitet von Thomas Bouterwek (Saxophon) und Bernd Hess an der Gitarre.
Zahlreiche Gäste und Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirchen, Kultur und Zivilgesellschaft waren der Einladung der Akademie gefolgt, um bei der Ehrung von Dr. Irina Scherbakowa dabei zu sein.
Zu den Ehrengästen gehörte auch Charlotte Knobloch (2.v.r.), Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.
Irina Scherbakowa neben Georgios Siomos, Archimandrit (griechisch-orthodoxe Metropolie in Deutschland) und seit Januar 2026 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern.
Musiker Peter Maffay neben der Friedensnobelpreisträgerin – nun auch Besitzerin des “Tutzinger Löwen” – Irina Scherbakowa.
Akademiedirektor Udo Hahn neben Prof. Dr. Julia Lehner, Kulturpolitikerin sowie zweite Bürgermeisterin und 1. Stellvertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg.
Auch Tanja Graf, Leiterin des Literaturhaus München, gratulierte der russischen Menschenrechtlerin Scherbakowa.
V.l.n.r.: Dr. Oskar Prinz von Preußen, Prinzessin Auguste von Preußen, Dr. Irina Scherbakowa und Tanja Graf (Literaturhaus München). Im Hintergrund: Schauspielerin Cornelia Corba und Bella Bayr.
V.l.n.r.: Dr. Eberhard Sasse, Dr. Christine Sasse (Honorarkonsulin der Republik Armenien in Bayern), Ludwig Horn (erster Bürgermeister der Gemeinde Tutzing) und Dr. Stephan Meier (Café & Salon Luitpold).
Der “Tutzinger Löwe” ist eine nicht dotierte Auszeichnung. Mit dieser Bronzeplastik werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in herausragender Weise verdient gemacht haben – in der Politik, in der Kirche, in der Ökumene, in der Wissenschaft, in den Medien. Die Auszeichnung steht für Toleranz und Weltoffenheit.
Zu den letzten Preisträgern gehörten der frühere Bundespräsident Joachim Gauck (2019), der Philosoph Jürgen Habermas (2021) sowie der ehemalige Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und sein Amtskollege Thabo Makgoba, Primas der anglikanischen Kirche im Südlichen Afrika (2023).



