Anerkennung als Schlüssel für eine bessere Zukunft der jungen Generation
Glück ist mehr als nur ein persönliches Gefühl – es ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die in einer zunehmend vielfältigen Welt nicht nur als Wunsch, sondern als Notwendigkeit verstanden werden muss. In einem Gastbeitrag für die Evangelische Akademie Tutzig beschreibt die Religionspädagogin und Expertin für interreligiösen Dialog, Gönül Yerli, wie wichtig es für junge Menschen ist, sich in ihrer Gesellschaft anerkannt und respektiert zu fühlen.
Anerkennung, so die Penzberger Religionspädagogin Gönül Yerli, sei die Grundlage für das Glück junger Menschen und eine der zentralen Herausforderungen für die Gesellschaft. Jedoch könnten die Voraussetzungen dafür nicht unterschiedlicher sein. “Deutschland ist heute vielfältiger als je zuvor. Kinder wachsen in einem Land auf, in dem religiöse, kulturelle und soziale Unterschiede alltäglich geworden sind. Doch während viele junge Menschen diese Vielfalt als Bereicherung erleben, wird sie ihnen politisch und gesellschaftlich nicht immer als solche gespiegelt.”, so Yerli. Sie macht deutlich, dass das Wohl und die Zukunft der Gesellschaft direkt von der Art und Weise abhängen, wie junge Menschen heute Anerkennung erfahren.
Yerli schildert ihre Beobachtungen aus ihrem Alltag mit jungen Menschen in der islamischen Gemeinde Penzberg. “Viele von ihnen erzählen mir, wie sie zwischen Hoffnung und Zweifel stehen: dem Glück darüber, hier zu Hause zu sein, und der Sorge, dass dieses Zuhause ihnen nie ganz gehören darf. Sie berichten von Zukunftsängsten, die nicht aus ihrer Lebensrealität entstehen, sondern aus dem Blick mancher auf sie. Das hat politische Konsequenzen, denn eine Gesellschaft, die Kindern vermittelt, sie seien trotz aller Zugehörigkeit ‘anders’, verhindert ihr eigenes Zukunftsglück.”
Um das Potenzial junger Menschen zu fördern, müsse Deutschland eine Gesellschaft werden, die die Vielfalt als Chance begreift und nicht als Herausforderung. Das bedeutete, “Vielfalt nicht als Ausnahmezustand zu betrachten, sondern als Normalität und Stärke. Vielleicht liegt das größte Glück unserer pluralen Gesellschaft genau darin, dass wir voneinander lernen dürfen.” Ein Schlüssel dafür seien interreligiöse Begegnungen. Durch Dialog und gegenseitige Anerkennung könnten junge Menschen ein tieferes Verständnis für Gemeinsamkeiten und Unterschiede entwickeln und lernen, “Unterschiede nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Möglichkeit.”
Gönül Yerli weiter: “Wenn Kinder unterschiedlicher oder keiner Glaubensbezüge sich austauschen, entsteht eine Form des Glücks, die politisch kaum zu überschätzen ist: ein Glück, das auf Vertrauen beruht, das Vorurteile abbaut, das soziale Räume stärkt. Solche Räume sind Zukunftslabore. Sie zeigen, wie unser Land sein könnte – und wie es sein müsste, damit sich jedes Kind sicher fühlt. Anerkennung, Respekt und Neugier sind keine Privatangelegenheiten; sie sind die Bausteine einer festen demokratischen Kultur.”
Den vollständigen Gastbeitrag von Gönül Yerli lesen Sie im Rotunde-Blog der Akademie.
Hinweis:
Zum Thema Glück und interreligiöser Dialog lädt die Evangelische Akademie Tutzing gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Tölz und der Islamischen Gemeinde Penzberg Jugendliche ab 12 Jahren am 8. Februar 2026 zu einem Workshoptag zum Thema “Glück” ein. Alle Informationen zu Ablauf und Programm finden Sie hier.


