Demokratie – ein riskantes Projekt?

26. - 28. Mai 2017

Inhalt

 
OB DAS REICHT, WENIGSTENS WÄHLEN ZU GEHEN – ALLE PAAR JAHRE? UND SONST?
 
Demokratie –  in Griechenland, in Athen erfunden, lernen wir in der Schule, und pauken uns hierzulande durch Kaiser und Fürstentümer, Päpste und Bistümer, bis einer kurzen Weimarer Republik ein Führer folgt. Dass dann aus Schutt und Asche mit der „BRD“ sich ein friedliches Europa entwickelte – wer konnte das ahnen?
 
Demokratie – sie ist uns vertraut wie ein Naturzustand. Synonym mit Wirtschaftswunder,  Rechts- und Sozialstaat, Wohlstand in Freiheit, zwar erschüttert von den 1968ern und RAF-Terrorismus, herrscht seit der Wiedervereinigung 1989 die Demokratie alternativlos.

Dies scheint aktuell passé. Terror, religiöser Extremismus, Fremdenfeindlichkeit trotz Willkommenskultur für die Flüchtlinge, Rechtsruck und Finanzkrisen in EU-Staaten, Brexit u.v.m. zeigen, wie fragil das globale Kleinod Europa ist. Laut formieren sich die Gegner der offenen Gesellschaft. Erst langsam erwacht die Mehrheit der überzeugten Zivilgesellschaft aus der Illusion, Demokratie sei eben gratis da.

Denn ein aggressiver Populismus greift die bestehenden Machtverhältnisse, Legitimationsrituale und medialen Rankings an. Statt vieldeutiger Kommunikation schürt er Freund-Feind-Bilder, polarisiert „ein Volk“ gegen Eliten, beschwört Gemeinschaft wider Individualität und wähnt sich im Besitz einer Wahrheit gegenüber postmoderner Vielfalt.

Nein, Demokratie gibt es nicht umsonst. Sie braucht politisches Engagement. Dies zwingt zu genauerem Hinsehen: kaschiert Demokratie die Selbstwidersprüche des Kapitalismus? Lügt sich der heitere Lifestyle über die Brüche hinweg, die den Populismus nähren: Gier oben, Entsolidarisierung mittig, Elend unten, neoliberale Exzesse, Verlierer der Globalisierung? Mit der lodernden Empörung stellen sich drängende Fragen: Spaß oder Gerechtigkeit, Markt oder Politik, Werte-Pathos oder Selbstkritik, Establishment versus Jugend ohne Perspektive? 

Brisante Themen, komplexe Verhältnisse und diffuse Diskurse machen die Rufe nach der „starken Hand“ attraktiv. Vollmundige Performer drängen auf die Präsidentensessel. Wie ist Demokratie zu mobilisieren?

Wir laden alle Interessierten herzlich ein zum aktuellen Gespräch, wie  wir leben wollen.  
 
Prof. Dr. Marcus Llanque, Universität Augsburg
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungs-Programm

Freitag, 26. Mai 2017
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 UhrAbendessen
19.00 UhrDemokratie – ein riskantes Projekt? Begrüßung
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
19.30 UhrDie Demokratie heute: Überschätzungen und Unterschätzungen einer riskanten Idee Einführung
Prof. Dr. Marcus Llanque
20.30 UhrAttraktion des Rechtspopulismus Aufstieg der NS-Bewegung in der Weimarer Republik – Parallelen?Dr. Gudrun Brockhaus
21.30 UhrGeselligkeit in den Salons
Gespräche in Gruppen
Samstag, 27. Mai 2017
07.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
09.00 UhrFrankreich: eine Demokratie im Ausnahmezustand PD Dr. Matthias Lemke
10.00 UhrZureichende Gründe? Über die Erklärungsversuche der Demokratie-Krise in PolenProf. Dr. Magdalena Marszalek
11.00 UhrKaffeepause
11.30 UhrStaatlichkeit und Demokratie im anti-westlichen konservativen Diskurs des heutigen RusslandsProf. Dr. Katharina Bluhm
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrCommon sense und demokratische Urteilskraft Prof. Dr. Emanuel Richter
15.00 UhrDer demokratische Bürgerbegriff Prof. Dr. Andreas Niederberger
16.00 UhrKaffeepause
16.30 UhrSteuerstaat und Krise Dr. Sebastian Huhnholz
17.30 UhrDemokratie und Protest. Radikale Demokratietheorie vor der populistischen HerausforderungProf. Dr. Oliver Flügel-Martinsen
18.30 UhrAbendessen
20.00 UhrMusik live in der Schlossdiele
Geselligkeit in den Salons
Sonntag, 28. Mai 2017
07.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
09.00 UhrWie viel (politische) Bildung braucht die Demokratie? Dr. Claire Moulin-Doos
10.00 UhrDemokratie und konsultativer ParlamentarismusDr. Tamara Ehs
11.00 UhrDemokratie ohne Echoortung, Oder: die demokratische Selbstermächtigung nach 1989 und ihre blinden FleckenDr. Yana Milev
Mit anschließender Abschlussdiskussion
12.30 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen

Referierende

Prof. Dr. Katharina Bluhm, Leitung der Abteilung Soziologie, FU Berlin
Dr. Gudrun Brockhaus, Historikerin, Sozialpsychologien, Psychoanalytikerin, Diessen am Ammersee
Mag. Dr. phil. Tamara Ehs, Politikwissenschaftlerin und Leiterin von Demokratie-Repaircafés, Wien
Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen, Politikwissenschaft, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Bielefeld
Dr. Sebastian Huhnholz, Politikwissenschaft, LMU München
PD Matthias Lemke, Forschungsstartstipendiat am Deutschen Historischen Institut Paris (Dhi-P), Paris
Prof. Dr. Marcus Llanque, Politologie,  Politische Ideengeschichte, Politische Theorie, Universität Augsburg
Prof. Dr. Magdalena Marszalek, Institut für Slavistik, Professur für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft / Schwerpunkt Polonistik, Universität Potsdam
PD Dr. habil. Yana Milev, Kulturphilosophin, Soziologin, Ethnografin, Kuratorin,  Seminar für Soziologie (SfS), Universität St. Gallen
Dr. Claire Moulin-Doos, Politikwissenschaft, Didaktik der politischen Bildung, Gesamthochschule Kassel
Prof. Dr. Andreas Niederberger, Philosophie, Universität Duisburg Essen
Prof. Dr. Emanuel Richter, Politische Wissenschaft, RWTH Aachen
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner, Studienleiter, Theologie und Gesellschaft, Religion, Philosophie, Recht, Evangelische Akademie Tutzing

Ort & Anreise

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €.
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.