Annette Kolb – Ihre literarische und politische Bedeutung 50 Jahre nach ihrem Tod

08. - 10. Dezember 2017

Inhalt

SIE LEBTE, REDETE UND SCHRIEB IN FRANKREICH UND DEUTSCHLAND UND FÜR BEIDER VERSÖHNUNG.
Der Spiegel, 11.12.1967
 
Als „der Spiegel" diesen Satz aus Anlass des Todes von Annette Kolb vor 50 Jahren schrieb, war die deutsch-französische Aussöhnung schon Rea-lität geworden. Den Abschluss des Freundschaftsvertrages zwischen beiden Ländern, den sie von Herzen mitgewollt und mitbefördert hatte, erlebte sie 1963 noch - als alt gewordenes und schon ein bisschen aus der Zeit gefallenes „Fräulein", wie sie sich selbst titulieren ließ. 1870 geboren, bahnte sie sich beharrlich und ohne viel Rücksicht auf die dominanten Frauenbilder und gesellschaftlichen Meinungen der Zeit ihren Weg als Schriftstellerin. Sie fand Anerkennung mit Romanen und Künstlerbiografien und stieß nicht selten politisch auf Widerstand. Ihr Eintreten für den Pazifismus trieb sie im Ersten Weltkrieg ins Exil. Nach „jener Meisterprobe männlicher Stupidität" (A. Kolb) folgte allerdings mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus eine noch härtere Prüfung. Annette Kolb zögerte dann auch nicht  lange, als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, und verließ Deutschland erneut. Aus Paris musste sie 1940 vor der anrückenden Besatzungsmacht fliehen und fand schließlich in New York  einen neuen Wohnsitz. Nach dem Krieg wurde sie wieder Europäerin und starb nach einem Jahrhundertleben in der Geburtsstadt München.
 
Sie hatte dort die glanzvolle Epoche des „fin de siècle" miterlebt und mitgeprägt, als München leuchtete und ein Klima für anspruchsvolle Köpfe bot. Dass am gleichen Ort kurz darauf Adolf Hitler das Milieu für seinen Aufstieg finden sollte, zeugt von den Verheerungen durch den Ersten Weltkrieg, die auch Annette Kolb so stark empfand. Trotzdem schien in den zwanziger Jahren noch alles offen für eine andere Wendung der Weltgeschichte. Annette Kolb war ja nicht die einzige, die gegen den Ungeist dachte und schrieb. Diese Köpfe bildeten im Exil dann eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig materiell und mental im  Überlebenswillen stärkte.
 
In der Tagung geht es also um eine Schriftstellerin, die bedeutsam und zu wenig beachtet ist, aber auch um ein politisches Leben, das uns noch heute in seiner Aufrichtigkeit Respekt einflößt. Unsere Expertinnen und Experten werden dem Schaffen und Werk der  Annette Kolb nachgehen, ihr Leben aber auch in Zeitkontexte und Beziehungsgeflechte einordnen.
 
Herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!
 
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Hiltrud Häntzschel, München
Prof. Dr. Günter Häntzschel, München

Tagungs-Programm

Freitag, 08. Dezember 2017
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 UhrBeginn der Tagung mit dem Abendessen
19.00 UhrBegrüßungDr. Ulrike Haerendel
19.15 Uhr"Helfen Sie uns zu einer Gesamtausgabe Ihrer Bücher"(Ernst Robert Curtius an Annette Kolb)
19.00 UhrÜber politischen Mut, die Plage des Schreibens und eine neue WerkausgabeDr. Hiltrud Häntzschel
21.15 UhrGespräche in den Salons
Samstag, 09. Dezember 2017
07.45 UhrMorgenandacht
09.00 UhrI. Vom Werden einer Schriftstellerin
Aufbrüche und Emanzipation von Frauen in München um 1900Dr. Ulrike Haerendel
10.00 Uhr"Kurze Aufsätze", "Sieben Studien" und ein "Torso" - Das frühe WerkDr. Peter Czoik
11.00 UhrKaffeepause
11.30 Uhr"Edelziege" und "Schafsgesicht".Annette Kolb im literarischen München zwischen Franz Blei und Thomas Mann
Dr. Dirk Heißerer
12.30 UhrMittagessen
14.30 UhrII. Die politische Künstlerin
"Ja, sag'n S', Herr Bibliothekar, was woll'n S' denn mit all dem Papier?"Vom Umgang mit Annette Kolbs Briefen
Dr. Walter Hettche
15.30 UhrKaffeepause
16.00 UhrGrenzüberschreitungen und Begrenzungen Annette KolbsProf.em. Dr. Günter Häntzschel
17.00 Uhr"Auf nach Luxemburg! Mit offenen Armen von der Luxemburger Freundin aufgenommen."Annette Kolbs Beziehungen zur Industriellenfamilie Mayrisch und zum Colpacher Kreis
Germaine Goetzinger
18.00 UhrAbendessen
19.30 Uhr"Die Schaukel" (Film von Percy Adlon, 1983)Filmangebot in der Rotunde
21.30 UhrGespräche in den Salons
Sonntag, 10. Dezember 2017
08.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
09.15 UhrIII. Zuhause in der Welt
Exil, Umkehr, Rückkehr.Wandlungen bei Annette Kolb
Prof. Dr. Sigrid Bauschinger
10.30 UhrPause
10.45 Uhr"Mein Leben hindurch sprach ich in den Wind - und hatte doch manchmal recht."Die Schriftstellerin und die Politik der Zeit
Prof. Johano Strasser
11.30 UhrWas bleibt?Fishbowl
Moderation:
Dr. Ulrike Haerendel
12.30 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen
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Literaturtipp:Annette Kolb, Werke, Hg. i. A. der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung von Hiltrud und Günter Häntzschel. Mit einem Essay von Albert von Schirnding, ca. € 49,00 (D), voraussichtlich lieferbar ab 20.11.20174 Bde., zus. ca. 2.264 S., ca. 10 Abb., im Schuber (Wallstein)

Referierende

Prof. Dr. Sigrid Bauschinger, emer. Professorin für Deutsche Literatur an der University of Massachusetts in Amherst, USA
Dr. Peter Czoik, Projektkoordinator und ltd. Redakteur beim Literaturportal Bayern, Bayerische Staatsbibliothek, München
Germaine Goetzinger, Literaturwissenschaftlerin, Dozentin und Autorin, Leiterin des Nationalen Literaturzentrums in Mersch (1995-2012), Luxemburg
Dr. Ulrike Haerendel, Historikerin, Studienleiterin für Soziales, Familie, Geschlechterfragen und Geschichte an der Evangelischen Akademie Tutzing
Dr. Hiltrud Häntzschel, Literaturwissenschaftlerin, Literatur-kritikerin und Autorin, München
Prof. Dr. Günter Häntzschel, emer. Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. Dirk Heißerer, Literaturwissenschaftler, Dozent und Autor, München
Dr. Walter Hettche, Institut für Deutsche Philologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Johano Strasser, Politologe, Autor, eh. Präsident PEN Deutschland, Berg am Starnberger See

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €. Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.