Jürgen Moltmann mit „Tutzinger Löwen“ ausgezeichnet

„Frömmigkeit muss wache politische Zeitgenossenschaft nach sich ziehen. Dafür steht der Name Jürgen Moltmann.“ Mit diesen Worten würdigte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm den Tübinger Theologieprofessor Jürgen Moltmann (91). Er war in einem Festakt am 5. November von der Evangelischen Akademie Tutzing mit dem „Tutzinger Löwen“ ausgezeichnet worden. Bedford-Strohm nannte Moltmann den „weltweit bekanntesten zeitgenössischen deutschen Theologen.“ Sein 1964 erschienenes Werk „Theologie der Hoffnung“ sei zum „Symbol für einen theologischen Aufbruch“ geworden, der nachhaltige Wirkungen auf die Gesellschaft ausübte. Mit seiner politischen Theologe mache er klar, „dass es bei dem politischen Reden der Kirche nicht darum gehen kann, bestimmten politischen Konzepten einen Heiligenschein zu geben, sondern darum, Grundorientierungen des christlichen Glaubens diskursiv in die politischen Debatten der Gegenwart einzubringen“. Viel zu oft sei das politische Reden der Kirche nicht wirklich in seiner geistlichen Gründung erkennbar, klagte der Landesbischof. „Gleichzeitig ist klar, dass eine geistliche Erneuerung immer auch Intensivierung des Einsatzes für andere im Persönlichen wie im Politischen heißen muss.“

Die Evangelische Akademie Tutzing würdigt nach den Worten ihres Direktors, Udo Hahn, mit dieser nicht dotierten Auszeichnung Jürgen Moltmann als „Theologen mit internationalem Ruf“, der in seiner „Theologie der Hoffnung“ überzeugend dargelegt habe, „dass der christliche Glaube Hoffnung weckt und Menschen mobilisiert, sich mit der Welt, wie sie ist, nicht abzufinden. Sein Werk ist von der Vision geprägt, die Grenzen der Wirklichkeit zu überwinden und von der Leidenschaft für das heute schon Mögliche.“ Der „Tutzinger Löwe“ stehe darüber hinaus für Toleranz und Weltoffenheit.

Die Auszeichnung erfülle ihn „ mit großer Dankbarkeit und mit tiefer Demut“, so Moltmann. In seiner Dankesrede kritisierte er, dass die bürgerliche Welt Religion zur Privatsache erklärt habe, um den öffentlichen Raum vor religiösen Einsprüchen frei zu halten. „Eine christliche Politische Theologie wird heute die Gemeinschaft der Menschheit in den universalen Gefahren stärken und eine Kultur des Leben gegen das universale Töten fördern“, so Moltmann, der vor einem Widererstarken eines „völkischen Nationalismus“ in Deutschland warnte. Je mehr die globalen Gefahren wüchsen, desto weniger seien die partikularen Nationen in der Lage, den Frieden zu sichern. „Die Globalisierung der Lebenswelten ruft nach globaler Verantwortung der Menschheit.“

Kritisch setzte sich der Geehrte auch mit modernen Religionstheorien auseinander, die – wie Karl Marx – Religion als „Opium des Volkes“ betrachteten, um das Elend zu vergessen. Auch bestreite er die Volksweisheit, dass Not Beten lehre. „Nichts davon ist wahr. In Wahrheit ist Religion das Fest, in dem das Leben gefeiert wird, und Beten ist zuerst ein Jubel über das Glück des Daseins.“ Freude sei der Sinn alles Lebens. „Das Christentum ist eine einzigartige Religion der Freude“, hob Moltmann hervor.

Jürgen Moltmann ist nach den Politikern Helmut Kohl, Hildegard Hamm-Brücher, Egon Bahr (1922-2015) und Helen Zille, dem Physiker Carl-Friedrich von Weizsäcker (1912-2007), dem Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, den früheren bayerischen Landesbischöfen Hermann von Loewenich (1931-2008) und Johannes Friedrich, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, dem langjährigen anglikanischen Erzbischof von Kapstadt sowie Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, sowie dem Hollywood-Regisseur Oliver Stone die dreizehnte Persönlichkeit, die mit dieser Bronzeplastik geehrt wurde.

Hier die Laudatio des Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm.