Weihnachten – versöhnte Welt in Emotionen

15. - 17. Dezember 2017

Inhalt

ES TREIBT DER WIND  IM WINTERWALDE DIE FLOCKENHERDE WIE EIN HIRT,

und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

                                                                          Rainer Maria Rilke     

… endlich: Schneeflocken! Zauberhaft tanzten sie im Laternenlicht. Aus dem Bett huschten wir nochmals hinaus auf die Straße. Unsere Pantoffeln tupften erste Spuren in den Schnee. Unvergleichlich, die himmlischen Eiskristalle auf der Zunge. Wie Watte umhüllte uns die bezuckerte Nacht. Fühlten wir uns je mehr geborgen?

Vom weißen Kleid wundersam verwandelt, erschien die Welt heil. Was an Schreckensmeldungen noch durchdrang, dämpften wir mit Ritualen weg: Im Kerzenlicht den Adventskalender durchleuchten, Plätzchen backen, Lebkuchen horten, Nüsse knacken, Äpfel braten, den Christbaum sichern, Geschenke basteln – diese Liturgie nährte die Vorfreude. „Stade Zeit“? Herzklopfend schrieben wir ans Christkind unsere Wünsche. Erst nach der Bescherung würde sich das Fieber legen, wir vom Himmel hoch runter kommen, um auf dem Boden zu spielen.

Jahrzehnte ist das her. Doch seit Kindertagen trotzt dieses kleine Einmaleins vom Advent der Entzauberung. Winkt nicht nach dem Wechselbad der Gefühle das selige Glück aus biblischer Geschichte und irdischem Vergnügen? Aber nirgends sind Erwartung und Erfüllung so von Enttäuschung bedroht. Wo sonst rührt Heiliges an Liebe wie an den Unfrieden, der auch Weihnachten herrscht?

Weihnachten ist nicht nur Dogma und Konsum. Dem Christkind war Herodes auf der Spur. Mitten im Terror wird Gott Mensch. Was uns umtreibt, weist nach Bethlehem, in den Stall, zum Kind in der Krippe, seiner unkaputtbaren Verheißung: „Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Bevor wir uns beschenken, beschert das Christkind uns mit allerlei Gefühlen. Mit dem Geschenk, überhaupt zu fühlen. Fühlen, was wund und erstarrt, weh, einsam, dunkel, stumm und tot ist und uns gleichgültig macht, trennt. Fühlen, wie sehr uns die Sehnsucht nach einer Welt aus Licht, Wärme, Friede und Spiel verbindet. 

Was über alle Grenzen Nähe schenkt  – zu seinem Advent, wörtlich Ankunft und Abenteuer, laden wir alle Nahen und Fernen sehr herzlich in die Evangelische Akademie Tutzing ein.

Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungs-Programm

Freitag, 15. Dezember 2017
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 UhrAbendessen
19.00 UhrWeihnachten – versöhnte Welt in Emotionen? Das Christkind beschert uns viele Gefühle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
Begrüßung & Einführung
19.30 UhrWeihnachten im Stall. Zufluchtsort für eine Bäuerin zwischen Wut und Liebe Gertraud Gafus
20.15 UhrWeihnachten zwischen Christkindlesmarkt und Wohnzimmer derhamm Klaus Schamberger
21.00 UhrLeise werden, dankbar sein. Singen. Was ist wesentlich? Eva Mayer
Gespräche in Gruppen
Geselligkeit in den Salons
Samstag, 16. Dezember 2017
07.45 Uhr Adventsandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
09.00 UhrWohlgefallen im schönen Kleid von Tochter Zion – Überlegungen zu einer Anthropologie des Textilen Dr. Karl Borromäus Murr
10.00 UhrSinnenfrohe Verläßlichkeit – vertraute Rituale Inseln im Meer der Unverbindlichkeit Katrin Riebartsch
11.00 UhrKaffeepause
11.30 UhrMit den Kindern auf dem Boden spielen Felix Magath
12.30 UhrMittagessen
14.30 UhrLiebe allein reicht nicht Dr. Claudia Küster
16.00 UhrWeihnachten – ein kosmopolitisches Gefühl der VerbundenheitMonika Roscher
17.00 UhrFreiheit aus Geborgenheit Wie denn das Elternhaus von Jesus? Geschieden? Geborgenheit?
Werner Tiki Küstenmacher
18.00 UhrWeihnachtliche Musik live Matthias Kahlau
18.30 UhrAbendessen
20.00 UhrAdvent in blue notes Monika Roscher, Gitarristin, Komponistin, Sängerin, Tilman Herpichböhm, Schlagzeug, Tom Jahn, Hammond-Orgel, Synthesizer
Monika Roscher
Musik live & Geselligkeit in den Salons
Sonntag, 17. Dezember 2017
07.45 Uhr Adventsandacht in der Schlosskapelle
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
09.00 UhrWeihnachten – wenn der Glaube an seine Grenzen stößt Richard Thiess
10.00 UhrDer Kater danach – Weihnachten zwischen Erwartung und ErfüllungAxel Piper
11.00 UhrDas Christkind und seine jiidische Mamme … und rüberschielen zu den vielen Geschenken
Ilana Lewitan
12.00 UhrWeihnachten – ist die Sehnsucht nach Frieden in der Welt in Gefahr?Dietmar Holzapfel
13.00 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen

Mehr zum Thema

THE LONGEST NIGHT: SHADES OF CHRISTMAS
Mit Monika Roscher, Tom Jahn und Tilman Herpichböhm
haben sich drei Musiker zusammengefunden, die schon lange als schillernde Grenzgänger zwischen den Stilistiken unterwegs sind. Monika Roscher entfacht mit ihrer Echoprämierten Bigband zur Zeit ein Feuer in Europa, das seinesgleichen sucht, Jazzpreisträger Herpichböhm trommelt sich durch die angesagtesten Jazz- und Elektroclubs, und Tom „Tornado“ Jahn holt sich mit seiner Bigband Dachau standing Ovations auf dem Jazz Festival Montreux . Die drei treten hier in einer klassischen Hammondorgel-Triobesetzung auf, von der man vielleicht Funk, Soul, Blues oder modernen Groove-Jazz erwarten würde. Mit ihren Eigenkompositionen bzw. -Arrangements sowie Reflektionen zur Mystik und Tradition der längsten Nacht des Jahres wird hier ein energiegeladener Abend im Spannungsfeld zwischen Jazz, Drone-Elektro, Pink Floyd und Techno gezaubert.

Referierende


Dr. Karl Borromäus Murr, Direktor Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim), Augsburger Kammgarnspinnerei, Augsburg
Gertraud Gafus, Bergbäuerin und Aktivistin, Fürmannalm/Anger, Berchtesgadener Land
Dietmar Holzapfel, Lehrer, Autor, Wirt, Inhaber der Deutschen Eiche, München
Matthias Kahlau, Dozent für Gitarre, und Kinder der Musikschule Tutzing
Marion Küstenmacher, Autorin, Dichterin, Gröbenzell
Pfr. Werner Tiki Küstenmacher, Autor, Dichter, Gröbenzell
Ilana Lewitan, Künstlerin, Architektin, München
Felix Magath, ehem. Bundesliga- und Nationalmannschaftsfußballspieler, Fußballtrainer, China/München
Eva Mayer, Moderatorin, Journalistin, Sprecherin, Bayerischer Rundfunk, München
Pfr. Axel Piper, Dekan, Weilheim
Katrin Riebartsch, eh. Chefredakteurin von Madame, Autorin, Beraterin, München
Monika Roscher, Gitarristin, Komponistin, Sängerin, München
Klaus Schamberger, Schriftsteller, Autor, Kolumnist, Mundart-Dichter, Wendelstein bei Nürnberg
Richard Thiess, Kriminalhauptkommissar a.D., eh. Leiter der Münchner Mordkommission 5, München
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner, Studienleiter, Evangelische Akademie Tutzing
Bettina Wagner-Bergelt, BAUHAUS 100, Künstlerische Leiterin Eröffnungsfestival 2019; ehem. stellv. Direktorin Bayerisches Staatsballett,  München

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €.
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.