Schöne Schwäne, wilde Kerle

Tagung zu Kinder- und Jugendliteratur

24. - 26. Juni 2016

Inhalt

WENN DER PRINZ DEN PRINZEN KÜSST...
 
Nicht nur Spielzeug, sondern auch das Sortiment von Buchhandlungen wird heute offensichtlich (wieder) nach Geschlecht sortiert: Pink oder Blau signalisieren streng voneinander getrennte Welten. So sprechen populäre Buchserien und Medienverbund-Angebote ganz gezielt Mädchen oder Jungen an, wenn sie von Prinzessinnen und Piraten, wilden Kerlen und frechen Mädchen, verführerischen Vampiren und schönen Schwänen erzählen. Ähnliches zeigt sich in erfolgreichen Serien, Casting-Shows und Computerspielen, die von 'Prinzessin Lillifee' bis 'Germanys Next Top Model', von 'The Walking Dead' bis zu 'World of Warcraft' Mädchen- oder eben Jungenträume aufleben lassen. Es scheint beinahe, als seien wir aller emanzipatorischen Erzählungen zum Trotz zurück bei klaren Rollen und stereotypen Zuschreibungen von Geschlecht, Gewalt, Schönheit und Liebe.
 
Andererseits, und auch das ist beim Blick in das literarisch-mediale Angebot nicht zu übersehen, sind Literatur und Medien längst Teil gesellschaftlicher Entwicklungen und Verhandlungen. Sie zeichnen weit entfernt von traditionellen Klischees auch ganz andere Geschlechterbilder und erzählen von bunten, atypischen Lebens- und Familienwelten: Nicht nur Patchwork-Familien sind längst ins Bilderbuch, in Kinder- und Jugendromane und -medienwelten eingezogen, auch Queer und Diversity werden zunehmend für Leserinnen und Leser aller Altersstufen thematisiert. Und postmoderne Adoleszenzromane erzählen seit langem schon von Identitäten, die eindeutige Geschlechterkategorien in Frage stellen.
 
Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, sich mit den divergierenden, ja oft widersprüchlichen Darstellungen, Abbildungen und Inszenierungen dieses literarischen und medialen Phänomens zu beschäftigen und es aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.
 
Die Tagung möchte deshalb Trends, Themen und Fragen zwischen klassischen Rollen, aber auch deren Überschreitung und neuen Definitionen nachgehen. Gender- wie Geschlechterfragen sollen dabei in Vorträgen und Workshops aus ganz unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen werden: aus dem Blickwinkel der Publizistik und der Literatur- und Medienwissenschaften genauso wie aus der Sicht der Literaturdidaktik und der Leseforschung. Außerdem werden theoretische Konzepte von Gender und Geschlecht, die je spezifischen Rezeptionszusammenhänge sowie aktuelle Entwicklungen in unterschiedlichen Genres und Medien betrachtet. Zur Diskussion all dieser Fragen laden wir Sie herzlich in die Evangelische Akademie Tutzing ein.
 
Judith Stumptner, Evangelische Akademie Tutzing
Prof. Dr. Ute Dettmar, Direktorin des Instituts für Jugendbuchforschung, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp, Leiterin der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung an der Universität zu Köln

Tagungs-Programm

Freitag, 24. Juni 2016
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 UhrAbendessen
19.00 UhrBegrüßung und Einführung in die TagungsthematikJudith Stumptner
Prof. Dr. Ute Dettmar
Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp
19.15 UhrWie aus Lillifee Germanys Next Topmodel und aus Darth Vader Bart Simpson wird. Bipolare Kindermedien – Erfolg und FolgenDr. Maya Götz
21.00 UhrGespräche in den Salons
Samstag, 25. Juni 2016
08.00 UhrFrühstück
09.00 UhrGendersensible Leseförderung: Die Plattform www.boysandbooks.deDr. Andreas Seidler
10.30 UhrKaffeepause
11.00 UhrQueerness und Diversity in aktuellen Kinder- und JugendmedienAnika Ullmann
12.30 UhrMittagessen
14.30 UhrRegenbogenträume. Die Verhandlung von Geschlecht in zeitgenössischen ComicsDr. Felix Giesa
15.30 UhrKaffeepause
16.00 UhrParallele Arbeitsgruppen
AG 1: www.boysandbooks.de – Auswahlkriterien und Arbeitsweise der Leseförderplattform (nicht nur) für JungenDr. Andreas Seidler
AG 2: Familiensache – Queerness im BilderbuchAnika Ullmann
AG 3: Starke Männer, schwache Frauen? Die Superheld*innen der GegenwartDr. Felix Giesa
AG 4: Aufschrei! Wo bleibt der Feminismus in der Mädchenliteratur?Ilona Einwohlt
18.30 UhrAbendessen
20.00 UhrLesung und Gespräch mitMag. Lilly Axster
21.30 UhrGespräche in den Salons
Sonntag, 26. Juni 2016
07.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
08.00 UhrFrühstück
09.00 UhrLiebe, Sexualität und Schönheit in aktuellen JugendromanenDr. Marion Rana
10.30 UhrPause
11.00 UhrAfghanische Töchtersöhne – Geschlechtertransformationen als ÜberlebensstrategieNadine Seidel
12.30 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen

Referierende

Lilly Axster, Theaterautorin, Regisseurin, Wien
Ilona Einwohlt, Kinder- und Jugenbuchautorin, Weiterstadt
Dr. Felix Giesa, Literaturwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ALEKI, Köln
Dr. Maya Götz, Leiterin, Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, München
Dr. Marion Rana, Literaturwissenschaftlerin, Herausgeberin der Zeitschrift interjuli (Internationale Kinder- und Jugendliteraturforschung), wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen
Nadine Seidel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur II an der Universität zu Köln
Dr. Andreas Seidler, Literaturdidaktiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur II an der Universität zu Köln
Anika Ullmann, Doktorandin an der Leuphana Universität, Lüneburg

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €.
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.