Literaturstadt Berlin – Studienreise

01. - 05. September 2017

Inhalt

„ÜBERN DAMM UND DURCH DIE DÖRFER"
 
Berlin erfindet sich immer wieder neu: Über Jahrzehnte hinweg Symbol der Teilung Deutschlands, hat sich Berlin in den Jahren seit der Maueröffnung mehrfach verändert. Ging es in den ersten Monaten und Jahren nach der Wende eher anarchistisch zu, folgte – spätestens mit dem Umzugsbeschluss – die große Bauphase, und es begann ein noch immer anhaltender Zuzug in die Stadt.
 
Analog dazu die Entwicklung der Literaturstadt Berlin: In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts war Berlin Zentrum der deutschen Literatur. Damals lebten z.B. Günter Grass, Uwe Johnson, Max Frisch und Hans Magnus Enzensberger kaum zwanzig Fuß-Minuten voneinander entfernt im Berliner Stadtteil Friedenau. Die Szene war vielfältig und lebendig. Die Teilung der Stadt jedoch führte dazu, dass die Bedeutung der Literaturstadt Berlin zusehends schwand und das literarische Leben sich auf andere Städte verlagerte.
 
Ausschlaggebend war dabei auch, dass trotz des Verbleibs einiger weniger wichtiger Verlage in Westberlin, die größten Häuser in der alten Bundesrepublik angesiedelt waren.
Anders verhielt es sich in Ostberlin, das als Hauptstadt der DDR nicht nur der bedeutendste Standort der Ostverlage und der offiziellen Literatur war, sondern auch das Zentrum inoffizieller Literatur.
 
Nach dem Fall der Mauer ändert sich die Situation erneut, rasch begann der Aufstieg des wiedervereinten Berlins zur Literaturhauptstadt Deutschlands. Zunächst kamen – u. a. der billigen Mieten wegen – die Autoren und freien Kritiker, dann begannen Verlage wie Rowohlt oder Eichborn Tochterfirmen in Berlin zu etablieren. In der Folge stockten die Feuilletons der großen Zeitungen ihre Berliner Redaktionen auf und mit dem Umzug des Suhrkamp Verlages siedelte schließlich der vielleicht einflussreichste Literaturverlag der alten Bundesrepublik von Frankfurt nach Berlin über.
 
Heute ist Berlin wohl der Ort, an dem pro Abend die meisten literarischen Veranstaltungen auf der Welt über die Bühne gehen.
 
An einem langen Wochenende im September spazieren wir durch die Literaturlandschaft der Hauptstadt und lernen einige ihrer Akteure kennen – suchend, redend, lauschend und lesend. Wir freuen uns, Sie dazu einladen zu dürfen!
 
Judith Stumptner, Evangelische Akademie Tutzing
Thomas Geiger, Literarisches Colloquium Berlin

Tagungs-Programm

Freitag, 01. September 2017
REISEPROGRAMM: 1. bis 5. September 2017
Freitag, 1. SeptemberHerzlich willkommen in Berlin! Nach individueller Anreise und dem Check-in im Literaturhotel Friedenau treffen wir uns um 16 Uhr an der Rezeption zu einem ersten Kennen-lernen und der Einführung in die kommenden Tage. Mit einem von Nicole Henneberg geführten Spaziergang durch das literarische Friedenau und einem gemeinsamen Abendessen in der näheren Umgebung beginnen wir das Reiseprogramm.
Samstag, 2. SeptemberKaum in Berlin angekommen, verlassen wir es auch schon wieder: Mit dem Zug fahren wir am Vormittag ins Peter-Huchel-Haus nach Wilhelmshorst. Dort lernen wir Leben und Werk des Berliner Lyrikers kennen, der von 1949 bis 1962 Chefredakteur von „Sinn und Form“, der literarischen Zeitschrift der Ost-Berliner Akademie der Künste, war. Außerdem treffen wir in Wilhelmshorst den Autor Lutz Seiler, der uns führen und von seiner Arbeit vor Ort berichten wird. Nach einem kleinen Mittagsimbiss geht es zurück Richtung Berlin, wo wir Halt am Wannsee machen. Dort veranstaltet das Literarische Colloquium zusammen mit dem Suhrkamp Verlag sein traditionelles Sommerfest. Vor der schönen Kulisse des Sees wird bis spät in den Abend gelesen, diskutiert, gelauscht – und wir sind mittendrin! Mit dabei sind u.a. Durs Grünbein, Robert Menasse, Melinda Nadj Abonji, Marion Poschmann, Thomas Macho, Thomas Kunst und Doron Rabinovici.
Sonntag, 3. SeptemberDen Sonntag beginnen wir gemütlich. Nach dem Frühstück hören wir im Salon des Hotels einen Vortrag zur „Literaturstadt Berlin “. Mit einem Besuch auf dem Dorothenstädter Friedhof erkunden wir Teile von Berlins literarischer Vergangenheit, bevor uns nach der Mittagspause ein Spaziergang durch die frühere und heutige Literaturszene des Prenzlauer Berges führt. Am Spätnachmittag dann treffen wir Thomas Lehr und Katja Lange-Müller zu Lesung und Gespräch. Der Abend ist frei!
Montag, 4. SeptemberBücher machen, über Literatur sprechen, Literaturveranstaltungen organisieren – der heutige Tag steht ganz im Zeichen der zeitgenössischen Literaturstadt Berlin: Wir besuchen Deutschlandradio Kultur, einen Verlag und das Literaturhaus in der Fasanenstraße. Mit Kritikern und Literaturprofis sprechen wir über ihre Arbeit, die Faszination am Buch und aktuelle Herausforderungen. Nach einem gemeinsamen Abendessen beenden wir das offizielle Programm mit einer weiteren Lesung von und mit Berliner Autoren über die Stadt Berlin in der Literatur. Begrüßen dürfen wir dazu Ingo Schulze und Eva Menasse.
Dienstag, 5. SeptemberUnd schon heißt es Abschied nehmen! Nach dem Frühstück trennen sich die Wege. Wer möchte, kann seinen Aufenthalt individuell verlängern. Wir sind dabei gerne behilflich! Allen anderen wünschen wir eine gute Heimreise.

Ort & Anreise

Bitte beachten Sie die aktuellen Reisedaten unter Organisatorisches!