Kindheitsverletzungen

20. - 22. Oktober 2017

Inhalt

ICH FÜHLE MICH NICHT MEHR ALS OPFER.
Maria-Andrea W.
 
Um so weit zu kommen, mussten Überlebende von Missbrauch und Gewalt oft einen langen Weg zurücklegen. Einen Weg, auf dem sie lernen mussten, die Täter und Täterinnen zu benennen und sich ihnen entgegen zu stellen. Einen Weg, auf dem  sie auch ihr Umfeld konfrontierten, in dem es häufig Mitschuldige gab: Eltern, die nichts hören wollten, Pädagogen, die nicht reagierten, Einrichtungsleiter, die Taten deckten und vertuschten, Ärzte, die Anzeichen nicht zu deuten wussten usw.
 
Erst seit 2010 ist die Aufarbeitung von sexueller  Gewalt gegen Kinder – ausgelöst durch Enthüllungen aus Internatsschulen – in Deutschland zum Politikum geworden. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ist die politische Stimme für das Thema und Wächter über den Fortgang der Aufarbeitung. Dafür hat er eine Kommission berufen, die Anhörungen durchführt, das Geschehene  dokumentiert, wissenschaftlich analysiert und die politischen Konsequenzen berät. Neben Zusammenschlüssen von Betroffenen einzelner Institutionen wurde außerdem  ein zentraler Betroffenenrat gegründet, in dem Menschen sitzen, die sich oft schon seit Jahren für Aufklärung und Aufarbeitung einsetzen. Sie helfen damit auch Leidensgenossen. Die Opfer familiärer Gewalt etwa können meist auf keine Kompensationen und auch keine Bestrafung der Täter mehr hoffen. Umso wichtiger sind die Möglichkeiten, gehört zu werden und sprechen zu können.
 
Kirchliche Einrichtungen bemühen sich inzwischen auch um Aufklärung. Gerade wurde der umfangreiche Abschlussbericht zu den Gewalt-taten bei den Regensburger Domspatzen vorgelegt. Das Leid der Kinder kann nicht wirklich „wiedergutgemacht" werden, aber Aufarbeitung und Anerkennung der  Schuld sind das Mindeste, was für die Opfer geleistet werden muss. Auch eine finanzielle Entschädigung kann in manchem Fall ein wenig helfen.
 
Die Tagung will zeigen, wie sehr wir die Bemühungen um Aufklärung brauchen, um den Betroffenen gerecht zu werden und weitere Taten zu verhindern. Die Taten lassen sich nie auf die Beziehung zwischen Tätern und Opfern reduzieren, sondern  beziehen ein breiteres Umfeld ein. Als Gesellschaft, als Eltern, als Familien und Fachleute müssen wir auch lernen hinzuschauen und die Gefahren zu erkennen, denn jeder Fall ist einer zu viel.
 
Freundliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!
 
Dr. Ulrike Haerendel, Studienleiterin, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungs-Programm

Freitag, 20. Oktober 2017
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 UhrBeginn der Tagung mit dem Abendessen
19.00 UhrBegrüßungDr. Ulrike Haerendel
19.30 UhrWorüber sprechen wir? EinordnungenProf. Dr. Sabine Andresen
21.00 UhrAusstellungsbegehung mit Sonja Schlappinger
21.15 UhrGespräche in den Salons
Samstag, 21. Oktober 2017
07.45 UhrMorgenimpuls am See
09.00 UhrI. AUFARBEITUNG: WAS KANN SIE LEISTEN?
Perspektiven des BetroffenenratsM.A. Matthias Katsch
&
Tamara Luding
09.45 UhrWelche Erwartungen haben Betroffene an Aufarbeitung?Prof. Dr. Barbara Kavemann
10.15 UhrKaffeepause
10.45 UhrÜberleben und? Wie die Gewalterfahrungen verarbeitet werdenProf. Dr. phil. Heiner Keupp
11.45 UhrFishbowlzu den Beiträgen des Vormittags
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrII. PRÄVENTION
Foren (parallel)
- Safe Sport: Schutz von Kindern und Jugendlichen im organisierten SportDr. med. Marc Allroggen
- Virtuelle Welt, reale Gefahr: Prävention von Cyber GroomingBirgit Kimmel
- Präventionsarbeit mit KindernTamara Luding
15.15 UhrKaffeepause
15.45 UhrIII. AUFARBEITUNG KONKRET - AM BEISPIEL DER KIRCHEN
Die Regensburger Domspatzen und ihre Geschichte der GewaltAlexander Probst & Prof. Dr. Knud-Christian Hein
17.15 UhrAufarbeitung mit Hindernissen? Die evangelische Kirche im BlickPodiumsgespräch mit Dr. Alke Arns, Kerstin Claus und Dr. med. Veronika Hillebrand
Moderation: Dr. Ulrike Haerendel
18.30 UhrAbendessen
19.30 Uhr"Spotlight" (US-amer. Filmdrama, 2015)Filmangebot mit anschließendem Gespräch
22.00 UhrFortsetzung der Gespräche in den Salons
Sonntag, 22. Oktober 2017
08.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
09.15 UhrIV. FAMILIE IM FOKUS
Familien als Gefährdungsraum: Was haben wir gelernt?Prof. Dr. Barbara Kavemann
10.15 UhrTatort Familie und das JugendamtDr. Susanne Heynen
11.15 UhrPause
11.30 UhrWo stehen wir in der Aufarbeitung - was muss weiter geschehen?Diskussion mit Referentinnen und Referenten der Tagung
12.30 UhrEnde der Tagung mit dem Miottagessen

Referierende

Referierende
Dr. med. Marc Allroggen, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm
Prof. Dr. Sabine Andresen, Leiterin des Arbeitsbereichs Sozial-pädagogik & Familienforschung am FB Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt a.M., Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
Dr. Alke Arns, Präventionsbeauftragte der Nordkirche, Hamburg Kerstin Claus, Journalistin, Mitglied des Betroffenenrats beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
Kerstin Claus, Journalistin, Mitglied des Betroffenenrats beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
Prof. Dr. jur. Knud-Christian Hein, Dipl.-Sozialpädagoge, Hochschule Darmstadt
Dr. Susanne Heynen, Dipl.-Psych., Leiterin des Jugendamts Stuttgart
Dr. med. Veronika Hillebrand, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin; Mitglied der Unabhängigen Kommission für finanzielle Leistungen in Anerkennung des Leids bei der Evang.-Luth. Kirche in Bayern; Ethikverein e.V., München
Matthias Katsch, Unternehmensberater und Managementtrainer, Mitglied im Betroffenenrat und Ständiger Gast bei der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, Berlin
Prof. Dr. Barbara Kavemann, Dipl. Soziologin, Wiss. Mitarbeiterin des Sozialwissenschaftlichen FrauenForschungsInstituts Freiburg und Honorarprofessorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin, Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
Prof. Dr. Heiner Keupp, Sozialpsychologe, Prof. emer. Ludwig-Maximilians-Universität München, Gastprofessor an der Universität Bozen, Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
Birgit Kimmel, Pädagogische Leiterin bei klicksafe, Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen
Tamara Luding, Kinderkrankenschwester, Erzieherin, Traumapädagogin, Referentin der Bundeskoordinierungsstelle der spezialisierten Fachberatungsstellen, die zum Thema sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend arbeiten (BKSF); Initiatorin, Mitarbeiterin und 1. Vorsitzende des Vereins Schutzhöhle e. V., Hof; Mitglied im Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
Alexander Probst, Ausbilder, Trainer und Leiter einer Hunde-schule, Buchautor, Dietfurt
Sonja C. Schlappinger, Informatikerin, Seminarleiterin, Coach und Kunsttherapeutin aus Finsing bei München
 

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €. Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.
Downloads

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