Kind, du bist uns anvertraut

29. - 31. Januar 2016

Inhalt

KIND, DU BIST UNS ANVERTRAUT

Im Tauflied bekräftigen wir eine Wahrheit, die ganz einfach ist: Kinder brauchen den Schutz und die Fürsorge von Erwachsenen, um gut aufzuwachsen. Wenn wir von „Missbrauch“ sprechen, dann ist insofern der Bruch mit diesem Grundvertrauen in die Rolle von Erwachsenen gegenüber Kindern richtig bezeichnet. Faktisch aber geht es bei den Taten, über die wir in der Tagung sprechen, um „sexuelle Gewalt“, die körperliche und seelische Gewalt umfasst.

Wir erleben, seit vor etwa fünf Jahren die Gewalttaten in der Odenwaldschule und kirchlichen Internaten öffentlich wurden, dass die Aufklärungsarbeit einerseits sehr zugenommen hat und verschiedene Einrichtungen wie auch die Politik sich ihrer Verantwortung stellen. Andererseits ist offensichtlich, dass immer noch „gemauert“ wird, dass die Opfer sehr zurückhaltend, wenn überhaupt „entschädigt“ werden und dass die justizielle Ahndung der Straftaten unbefriedigend bleibt.

In der Tagung werden Expertinnen und Experten darstellen, was in einigen der besonders exponierten Fälle von sexueller Gewalt an Internaten passiert ist und welche Aufarbeitung bis heute geleistet wurde. Sie analysieren die Hintergründe, Konstellationen und Gelegenheitsstrukturen für die Taten und führen damit auch zu den Fragen, die uns für die Zukunft bewegen: Wie lässt es sich verhindern? Wo müssen wir besonders wachsam sein? Welche Gefahren gehen von den digitalen Medien aus? Was erfordert generell ein zeitgemäßer Kinderschutz?

Lernen wollen wir nicht zuletzt auch aus dem, was Betroffene uns vermitteln. Am Ende stellt sich die nicht leicht zu lösende Frage: Wie können wir zu einer Gesellschaft werden, die die ihr anvertrauten Kinder schützt, ohne jedes Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen unter Generalverdacht zu stellen?

Es ergeht herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!

Prof. Dr. Volker Beck, Dipl.-Psych., Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit, Hochschule Darmstadt
Dr. Ulrike Haerendel, Stellv. Direktorin, Studienleiterin für Soziales, Familie, Geschlechter- und Generationenfragen, Evangelische Akademie Tutzing

Tagungs-Programm

Freitag, 29. Januar 2016
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 UhrBeginn der Tagung mit dem Abendessen
19.00 UhrBegrüßungDr. Ulrike Haerendel
und
Prof. Dr. Volker Beck
19.15 UhrSexueller Missbrauch und Kinderschutz in historischer Perspektive bis heuteAnro Görgen M.A.
20.15 UhrWas ist sexueller Missbrauch, wie häufig und in welchen Kontexten geschieht sexueller Missbrauch?Prof. Dr. Jörg M. Fegert
21.30 UhrGespräche in den Salons
Samstag, 30. Januar 2016
08.45 UhrMorgenimpuls ind er SchlosskapelleDr. Ulrike Haerendel
09.00 UhrOdenwaldschule - das Versagen einer missbrauchenden InstitutionBrigitte Tilmann
10.00 UhrAmbivalenzen der sexuellen RevolutionKommentar von
Christian Füller
10.45 UhrKaffeepause
11.15 UhrSexualisierte, psychische und physische Gewalt in kirchlichen Internaten: Die Beispiele Ettal und KremsmünsterProf. Dr. phil. Heiner Keupp
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrDie späte Aufarbeitung - Vom Runden Tisch zur Unabhängigen Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch
Johannes-Wilhelm Rörig
14.30 UhrVerantwortung und KonsequenzenPodiumsgespräch mit Peter Bartlechner, Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Brigitte Braun, Thomas Birk, Johannes-Wilhelm Rörig und Brigitte Tilmann
Moderation:
Prof. Dr. Volker Beck
16.00 UhrKaffeepause
16.30 UhrPraxisforen zu Prävention, Beratung und Hilfe (parallel)
1) Kein Täter werden - Präventive Therapie bei pädophilen Männern im Dunkelfeld
Mag.rer.nat. Elisabeth Quendler
2) Möglichkeiten und Grenzen der Prävention in pädagogischen Einrichtungen
Harald Hofer M.A.
und
Dr. Stepanka Kadera
3) Männliche Betroffenheiten von sexualisierter Gewalt - Hilfenasätze in einem Dunkelfeld am Beispiel der Beratungsstelle KIBS
Dr. Peter Mosser
18.00 UhrAbendessen
20.00 Uhr"Mensch Otto" in der Akademie: Thorsten Otto im Gespräch mit Miriam Sakayan
21.30 UhrGespräche in den Salons
Sonntag, 31. Januar 2016
08.45 UhrAndacht in der SchlosskapelleDr. Ulrike Haerendel
09.15 UhrNetzräume - Misbrauchsräume? Grauzonen, Grenzüberschreitungen, GroomingJulia von Weiler
10.00 UhrTrau dich! Bundesweite Initiative zur Prävention des sexuellen KindesmissbrauchsTheater als Einladung, (Fort) Bildung als Grundlage und Vernetzung auf Dauer
Brigitte Braun / Julia Bihl / Johannes Birlinger
12.00 UhrAbschlusspodium mit den Referentinnen und Referenten der Tagung
12.45 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen

Referierende

Peter Bartlechner, Sozialpädagoge, Präventionsbeauftragter, derzeit Sprecher der deutschen Bistümer, Erzbistum München und Freising
Julia Bihl, Schauspielerin, Kompanie Kopfstand, Berlin Johannes Birlinger, Schauspieler, Kompanie Kopfstand, Berlin
Thomas Birk, Queerpolitischer Sprecher, Fraktion Bündnis90/Die Grünen, Abgeordnetenhaus Berlin
Gisela Bornowski, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Ansprechpartnerin im Landeskirchenrat der Evang.-Luth. Kirche in Bayern für Opfer sexualisierter Gewalt, Ansbach
Brigitte Braun, Referentin, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln
Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Ärztlicher Direktor und Gründer der Abteilung für Kinder- u. Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm
Christian P. Füller, Journalist, Moderator, Fachautor, Berlin
Arno Görgen, M.A., Kulturwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin und am Zentrum Medizin und Gesellschaft der Universität Ulm
Harald Hofer, M.A., Lehrstuhl für Soziologie, Universität Augsburg
Dr. Stepanka Kadera, wiss. Mitarbeiterin, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung, LMU München
Prof. Dr. Heiner Keupp, Sozialpsychologe, München
Dr. Peter Mosser, Dipl.-Psychologe, ehem. Mitglied des Runden Tisches „Kindesmissbrauch“, Mitarbeiter der Beratungsstelle KIBS, München
Thorsten Otto, Journalist, Moderator, Bayerischer Rundfunk, München
Elisabeth Quendler, Mag. rer. nat., Psychologische Psychotherapeutin, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Ulm
Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Berlin
Miriam Sakayan, Überlebende, Offenbach
Brigitte Tilmann, ehem. Strafrichterin und Präsidentin des OLG Frankfurt am Main, Mitverfasserin des Abschlussberichts zur Odenwaldschule, Darmstadt
Julia von Weiler, Diplompsychologin, Vorstand Innocence in Danger e.V., Berlin

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €.
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.
Downloads

Bitte geben Sie für den Download der Tagungsunterlagen das Kennwort ein:

Kennwort