Kapitalismus, Globalisierung, Demokratie

19. - 21. September 2016

Inhalt

KONZEPTE INSTITUTIONELLER TRANSFORMATION

In seinem Buch „Kapitalismus, Sozialismus, Demokratie“ stellte Joseph Schumpeter 1942 die Frage nach den Funktionsbedingungen der Demokratie. Vor dem Hintergrund von Krise und Krieg analysierte er die damals bevorstehenden postkapitalistischen Transformationen, aus denen später die Soziale Marktwirtschaft hervorgehen sollte.

Im beginnenden 21. Jahrhundert zeichnet sich ein vergleichbar weitreichender Wandel der Basisinstitutionen unserer Gesellschaft ab. Einschlägige Diskussionen kreisen um Begriffe wie Global Governance, Multi-Level Governance und Zivilgesellschaft . Diagnostiziert wird eine Erosion der Demokratie und – angesichts der Entwicklung von Einkommens- und Vermögensverteilung – das Wiederaufleben eines patrimonialen Kapitalismus.

Prägend für unsere Zeit sind die inneren Blockaden demokratischer Institutionen, deren Wetterleuchten nicht nur im Kontext der Entwicklung der EU sichtbar wird. Die begrenzte Handlungsfähigkeit von Demokratien angesichts multipler Krisen wird weithin kritisiert: Das wellenartige Aufbranden von Krisen (gegenwärtig der Finanz-, Wirtschafts-, Währungs- und Flüchtlingskrise) drängt jeweils eine Zeitlang alles andere in den Hintergrund öffentlicher Wahrnehmung. Politik aber beschränkt sich oftmals auf Eindämmungsstrategien, welche die Ursachen der Krisen kaum lösen können und die Keime der nächsten Krise schon in sich tragen.

Doch setzen all diese Herausforderungen nicht auch Kräfte und Akteure des institutionellen Wandels frei? In „Kapitalismus, Sozialismus, Demokratie“ entwickelte Schumpeter Grundzüge einer Theorie gesellschaftlichen Wandels. Demnach unterliegen auch die Mechanismen und Akteurs-Konstellationen der Transformation selbst diskontinuierlichen Transformations-prozessen.

Die Tutzinger Tagung diskutiert unterschiedliche Konzeptionen institutionellen Wandels. Dabei ergänzen sich Zugänge aus der Wirtschaftssoziologie, der Institutionenökonomik, der Politikwissenschaft , der Sozialpsychologie und der evolutorischen Ökonomik. Zentrale Fragen sind etwa: Kann die soziale Marktwirtschaft mit den gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt halten? Und wie kann sich die Demokratie angesichts supranationaler Herausforderungen weiterentwickeln?

Wir laden alle Interessierten nach Tutzing ein, um die institutionelle Transformation multiperspektivisch aufzuarbeiten. Herzliche Einladung auch zur Beteiligung am Call for Papers zu diesen herausfordernden Themen.

Katharina Hirschbrunn, Evangelische Akademie Tutzing
Prof. Dr. Richard Sturn, Universität Graz

Tagungs-Programm

Montag, 19. September 2016
Anreise ab 11.30 Uhr
12.30 UhrBeginn der Tagung mit einem Imbiss
14.00 UhrKapitalismus, Globalisierung und Demokratie:Konzepte instutioneller TransformationBegrüßung und Einführung in die TagungsthematikKatharina Hirschbrunn und Prof. Dr. Richard Sturn
Institutionelle Transformtation im globalen Kontext
14.30 UhrInstitutionen des Kapitalismus im Wandel - wirtschaftssoziologische, netzwerktheoretische und institutionentheoretische ZugängeProf. Dr. Andrea Maurer
16.00 UhrKaffeepause
16.30 UhrPerspektiven eines globalen Ordnungsrahmensdynamischer Marktwirtschaften:spontane Ordung oder mechanism designProf. Dr. Mathias Erlei
18.00 UhrAbendessen
Theorien und Modellierungen sozio-ökonomischer Transormation
19.00 UhrMacht, Reichtum, Krisen - Kapitialismus als komplexes adaptives SystemProf. Dr. Ulrich Witt
20.30 UhrInformelle Gespräche in den Salons
Dienstag, 20. September 2016
07.45 UhrMorgenandacht in der Schlosskapelle
09.00 UhrKapitalismus, Globalisierung, Demokratie / Teil IOffen ausgeschriebener Tagungsteil mit parallelen Arbeitsgruppen (s. gesondertes Programm unter der Rubrik "Mehr zum Thema")
10.30 UhrKaffeepause
11.00 UhrModellierung der großen Transformationen:Interdependenzen zwischen Umwelt, Wirtschaftund sozialem SystemDr. Sebastian Strunz
12.30 UhrMittagessen
14.00 UhrTransformationsprozesse und die unterschiedlichen Akteure der Transformation: Ansätze und Einsichtenagentenbasierter ModellierungenProf. Dr. Michael Roos
15.30 UhrKaffeepause
16.00 UhrKapitalismus, Globalisierung, Demokratie / Teil IIOffen ausgeschriebener Tagungsteil mit parallelen Arbeitsgruppen (s. gesondertes Programm unter der Rubrik "Mehr zum Thema")
18.15 UhrAbendessen
Governance, Verteilung und Demokratiein Transformationsprozessen des 21. Jahrhunderts
19.15 UhrGlobalisierung, Verteilung, Demokratie:Gibt es eine Transformation hin zum patrimonialenKapitalismus?Prof. Dr. Wilfried Altzinger
20.30 UhrInformelle Gespräche in den Salons
Mittwoch, 21. September 2016
07.45 UhrMorgenimpuls am See
09.00 UhrRegulative Transformationen: Die Globalisierung der VerhaltenspolitikDr. Holger Straßheim
10.30 UhrPause
10.45 UhrTransformation ökonomischer Institutionen und demokratische PolitikProf. Dr. Ulrich Klüh
Zusammenfassende Abschlussdiskussion
12.30 UhrEnde der Tagung mit dem Mittagessen

Mehr zum Thema

Programm des offen ausgeschriebenen Tagungsteils

 

Dienstag 20. September 2016

9.00 - 10.30 Uhr         Offen ausgeschriebener Tagungsteil I

                                   (statt des Vortrags von Prof. Dr. Gisela Kubon-Gilke)

                                   In parallelen Arbeitsgruppen 1 bis 4

Bitte direkt in den entsprechenden Raum gehen. Ein Wechsel zwischen den Vorträgen ist möglich. Übergangszeit 9.45 - 9.50 Uhr

 

(1) Demokratie und Kapitalismus

Gut und günstig? Über den intrinsischen und instrumentellen Wert von Demokratie und Kapitalismus

Johann Waas, Universität Bamberg

Japans Wirtschaftsdemokratie nach dem Zweiten Weltkrieg

PD Dr. Günther Distelrath, Japanologie, Universität Bonn

Raum: Auditorium

Moderation: Prof. Dr. Richard Sturn

 

(2) Transformation mentaler Modelle

Jenseits der Knappheit denken. Das ökonomische Modell ressourcenschöpfender Teilhabekreisläufe

Dr. Friedrich Glauner, Projektmanagement Praxistransfer, Weltethos-Institut, Universität Tübingen

Wenn Resonanzen verstummen – eine zeitökologische Perspektive

Prof. Dr. Fritz Reheis, Universität Bamberg

Raum: Seminarraum

Moderation: Dr. Martin Held

 

(3) Ökonomie und Gemeinwohl

Ist Kapitalismuskritik noch zeitgemäß?

Klaus Simon, Akademie Solidarische Ökonomie                                                   

Die Umsetzung von Gemeinwohl-Ökonomie – Gemeinwohlbericht und -Bilanz

Ingo Massel, Referat Projekte, Gremien und Internationales, Herzogsägmühle

Raum: Medienraum

Moderation: Katharina Hirschbrunn

 

(4) Firmen und Genossenschaften – Interessenskonflikte und Stakeholder-Partizipation

Genossenschaften als Antwort auf lokale Krisenerscheinungen in ländlich-peripheren Räumen Deutschlands

Dipl. Geogr. Stefan Haunstein, Promotionsstipendiat, Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig

Moralische Agenten? Compliance als Praxis institutionellen Wirtschaftens

Dr. Wolfgang Leyk, Friedrich-Alexander Universität, Erlangen-Nürnberg

Raum: Schlossstube

Moderation: Prof. Dr. Johannes Schmidt

 

Dienstag 20. September 2016

16.00 - 18.15 Uhr       Offen ausgeschriebener Tagungsteil II

                                   In parallelen Arbeitsgruppen 1 bis 4

Bitte direkt in den entsprechenden Raum gehen. Ein Wechsel zwischen den Vorträgen ist möglich. Übergangszeit 16.40 - 16.45 Uhr und 17.25 - 17.30 Uhr.

 

(1) Vielfalt kapitalistischer Systeme und unterschiedliche Governance-Modelle

Teilhabe-Kapitalismus – Finanzmarktkapitalismus – Ökokapitalismus. Regime wirtschaftlicher Entwicklung im Vergleich

Dr. Rainer Land, Thünen-Institut Potsdam

Globalization, Economic Development, and the State: A Taxonomy of Modern State Capitalism

Prof. Dr. Joachim Ahrens, PFH Private Hochschule Göttingen, Axel Woelk, University of Groningen

Raum: Seminarraum

Moderation: Dr. Martin Held

 

(2) Vergleichende Kapitalismusforschung und Transformation

Vergleichende Kapitalismusforschung: Evolutionäre Perspektiven

Prof. Dr. Alexander Ebner, Professur für Politische Ökonomie und Wirtschaftssoziologie, Universität Frankfurt

Theorien des Wandels in der Politischen Anthropologie: Die Rolle politischer Gegenbewegungen für Systemtransformationen

Dr. Claus Seibt, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Wohin führt uns die Transformation? Untergräbt der institutionelle Erfolg der kapitalistisch geprägten Marktwirtschaft sich selbst und wenn ja, werden dadurch zunehmend Geschenkökonomien (P2P Networks) hervorgebracht?

Josué Manuel Quintana Diaz M.Sc., Universität Frankfurt am Main

Raum: Auditorium

Moderation:  Prof. Dr. Richard Sturn

 

(3) Demokratie und Markt

Global Epistemic Democracy and Judgement Aggregation

Prof. Dr. Daniel Eckert, Universität Graz und Prof. Dr. Frederik Herzberg, Universität Bielefeld  

Social Choice Theorie und diskursive Demokratietheorien

Lara Pittrich, Universität Graz

Das Beharrungsvermögen der Free-Market Rhetorik im Aufstieg neuer politischer Bewegungen. Von Milton Friedman bis zum Tea-Party Republikanismus

Nenad Pantelic M.A., Universität Graz

Raum: Medienraum

Moderation:  Prof. Dr. Johannes Schmidt

 

(4) Transformation in Politikbereichen

Globalisierung und Transformationen des Sozialstaats

Prof. Dr. Alexander Th. Carey, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen

Spielarten des Wissenskapitalismus. Über den Einfluss institutioneller Arrangements auf Innovationen. Am Beispiel der Grünen Biotechnologie

Dr. des. Barbara Brandl, Universität Trier

Moralische Bedenken und WTO-Regime – Prozessqualitäten in der WTO und die Messung moralischer Bedenken 

Winnie Sonntag, M.Sc.

Raum: Schlossstube

Moderation: Katharina Hirschbrunn

 

Stand: 14.09.2016

Referierende

Referierende
Prof. Dr. Wilfried Altzinger, Wirtschaftsuniversität Wien
Prof. Dr. Mathias Erlei, Technische Universität Clausthal
Prof. Dr. Ulrich Klüh, Hochschule Darmstadt
Prof. Dr. Andrea Maurer, Universität Trier
Prof. Dr. Michael Roos, Universität Bochum
Dr. Holger Straßheim, Humboldt Universität Berlin
Dr. Sebastian Strunz, Zentrum für Umweltforschung Leipzig
Prof. Dr. Richard Sturn, Universität Graz
Prof. Dr. Ulrich Witt, Max-Planck-Institut für Ökonomik Jena
... und viele weitere Referierende im offen ausgeschriebenen Tagungsteil
(siehe gesondertes Programm)

Tagungsteam / Moderation
Katharina Hirschbrunn, Evangelische Akademie Tutzing 
Dr. Martin Held, Tutzing
Prof. Dr. Richard Sturn, Universität Graz
Prof. Dr. Johannes Schmidt, Hochschule Karlsruhe

Ort & Anreise

ANREISEPLANUNG
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Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €.
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing. In Tutzing ist der Weg zur
Akademie ausgeschildert.
 
Downloads

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