Gender – Vielfalt – Demokratie

23. - 24. Juni 2017

Inhalt

GENDER TROUBLE
 
– der durch Judith Butler berühmt gewordene Begriff könnte auch zur Kennzeichnung der aktuellen Debatten um Zuwanderung und Gesellschaftspolitik verwendet werden. Einige – im rechten oder rechtsextremen Lager – machen es sich allerdings ganz leicht: Spätestens mit der Silvesternacht 2015/16 in Köln war für sie klar, dass weitere Zuwanderung nach Deutschland abzulehnen ist.
 
„Die Flüchtlinge" belasten in ihren Augen nicht nur unser Sozialsystem unverhältnismäßig, sondern gefährden unsere Sicherheitslage und belästigen und nötigen „unsere Frauen". Vorfälle und Straftaten wie in Köln werden pauschal gegen alle Einwanderer verwendet, um Immigration generell abzulehnen. Genauere Blicke machen indes deutlich, dass solche kruden Schuldzuweisungen und menschenfeindlichen Einstellungen, wahlweise auch gegen „Kopftuchträgerinnen", die eigentliche Gefährdung unserer Demokratie und ihrer Werte darstellen. Denn dass Belästigungen, Nötigungen und Straftaten gegen Frauen verfolgt und sanktioniert werden müssen, darüber besteht ja gar kein Dissens. Wie aber treten wir für unsere liberalen Errungenschaften ein - darunter die Gleichstellung von  Mann und Frau und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung – ohne Aggression und Feindbilder? Wie verhindern wir, dass Geschlechtergleichheit in Negation ihrer ethischen Grundlagen als Argument der Abweisung, Ausgrenzung und Diskriminierung instrumentalisiert wird? Und wie schließlich rücken wir solidarisch mit eingewanderten und anderen Menschen zusammen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihres Alters, ihrer Herkunft und Religion sowohl als Personen wie auch als soziale Gruppe heftigen Angriffen ausgesetzt sind?
 
Mit der Tagung an der Evangelischen Akademie Tutzing wollen wir dazu einladen, gemeinsam zu diskutieren, welche Gefährdungen wir für „Gender, Vielfalt und Demokratie" in den gegenwärtigen Debatten sehen und welche politische Kultur wir dagegen setzen können. Die eingeladenen Expertinnen analysieren soziale, kulturelle und politische Hintergründe und helfen uns durch ihre Inputs, das kontroverse Feld zu sortieren. Dabei wollen wir auch einen Blick über die Landesgrenzen werfen und fragen, welche Strategien Feministinnen dort gegen den wachsenden aggressiven Rechtspopulismus verfolgen.
 
Wir freuen uns auf regen Austausch in der Evangelischen Akademie Tutzing!
 
Dr. Ulrike Haerendel, Stellv. Direktorin, Evangelische Akademie Tutzing
und das Tagungsteam von NeGG, Netzwerk Genderforschung und Gleichstellungspraxis Bayern

Tagungs-Programm

Freitag, 23. Juni 2017
Anreise ab 12.00 Uhr
13.30 UhrImbiss
14.00 UhrBegrüßungDr. Ulrike Haerendel
14.30 UhrDemokratische Kultur, Anerkennung von Vielfalt, sozialer Zusammenhalt – bedrohte Werte in Zeiten des Rechtspopulismus?Prof. Dr. Sabine Hark
15.30 UhrKaffeepause
16.00 UhrGruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Wie entwickeln sich Antigenderismus und Rassismus?Prof. Dr. Beate Küpper
17.00 UhrFishbowl mit Impulsen aus den VorträgenModeration:
Dr. Karin Jurczyk
18.00 UhrAbendessen
19.30 UhrRassismus-Debatten im Feminismus: reloadedGespräch zwischen
Peggy Piesche
Nadia Shehadeh
Dr. Annette Seidel-Arpaci
Moderation:
Prof. Dr. Barbara Thiessen
21.00 UhrGespräche & Networking in den Salons
Samstag, 24. Juni 2017
07.45 UhrAndacht in der Schlosskapelle
08.00 UhrFrühstück
09.00 UhrIMPULSVORTRÄGE
1. Was macht rechtsextreme/rechtspopulistische Positionen für Frauen attraktiv?Prof. Dr. Esther Lehnert
2. „Postfaktische Politik“ und „Fake News“: eine soziologische BetrachtungProf. Dr. Jasmin Siri
3. Gleichstellungspolitik und neue AnfeindungenUrsula Kress
10.30 UhrKaffeepause
11.00 UhrWORKSHOPS
Diskussion von (Gegen-)Strategien
1. Frauen in der extremen RechtenProf. Dr. Esther Lehnert
Moderation:
Dr. Marion Magg-Schwarzbäcker
2. „Postfaktische Politik“ und „Fake News“– Herausforderung etablierter Medien?Prof. Dr. Jasmin Siri
Moderation:
Dr. Andrea Rothe
3. Gleichstellungsarbeit unter DruckUrsula Kress
Moderation:
Prof. Dr. Barbara Thiessen
4. Mechanismen der Diskriminierung erkennen, das eigene Handlungsspektrum in einer pluralen Gesellschaft erweiternMarina Khanide
Moderation:
Birgit Erbe
5. Geschlechterreflektierende Prävention von Rechtsextremismus – Ansätze in Pädagogik und ZivilgesellschaftDr. Heike Radvan
Moderation:
Nicole Lassal
12.30 UhrMittagessen
13.30 UhrAnti-Genderismus in EuropaPodiumsdiskussion mit
Marion Chenevas (Frankreich)
Bozena Choluj (Polen)
Meera Jamal (Deutschland)
Moderation:
Prof. Dr. Paula-Irene Villa
15.30 UhrKommentare und Feedback
16.00 UhrEnde der Tagung

Referierende

Referentinnen und Referenten
Marion Chenevas, Vorstandsmitglied „Ärzte der Welt e.V.", Geschäftsführung Gesundheitsbeirat der LH München
Prof. Dr. Bozena Choluj, Kulturwissenschaftlerin, Lehrstuhlinhaberin an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder; Professorin für Literaturwissenschaft/Gender Studies am Institut für Germanistik, Universität Warschau
Prof. Dr. Sabine Hark, Soziologin, Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG), Technische Universität Berlin
Meera Jamal, Journalistin, Wiesbaden
Marina Khanide, Dipl.-Soz.päd., Trainerin für internationale Programme der Demokratie und Toleranz und interkulturelle Verständigung, München/Josefstal
Ursula Kress, Beauftragte für Chancengleichheit von Frauen und Männern der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Stuttgart
Prof. Dr. Beate Küpper, Sozialpsychologin, Professur für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen, Fachbereich Sozialwesen, Stellvertretende Institutsleiterin am SOCON Institut, Hochschule Niederrhein
Prof. Dr. Esther Lehnert, Professorin für Geschichte, Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Rechtsextremismus an der Alice Salomon Hochschule Berlin
Peggy Piesche, Generation ADEFRA (Schwarze Frauen in Deutschland), Literatur- und Kulturwissenschaftlerin an der Academy of Advanced African Studies, Universität Bayreuth
Prof. Dr. Heike Radvan, Professorin für Methoden und Theorien der Sozialen Arbeit an der BTU Cottbus-Senftenberg
Dr. Annette Seidel-Arpaci, Hochschule Landshut, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Nadia Shehadeh, Soziologin, Bloggerin bei der "Mädchenmannschaft", Bielefeld
Prof. Dr. Jasmin Siri, Soziologin, Vertretungsprofessur für Politische Soziologie an der Universität Bielefeld
 
Tagungsteam
Birgit Erbe, Agnes Lang, Sabrina Schmitt, FAM Frauenakademie München e.V.
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Stephanie Handschuh-Heiß, TUM.Diversity, Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Technische Universität München
Dr. Karin Jurczyk, Deutsches Jugendinstitut e.V., München
Nicole Lassal, Gleichstellungsstelle für Frauen, LH München
Dr. Marion Magg-Schwarzbäcker, Büro für Chancengleichheit, Universität Augsburg
Anja Quindeau, TUM.Diversity, Technische Universität München
Prof. Dr. Maria S. Rerrich, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, Hochschule München
Dr. Andrea Rothe, Stabsstelle Betriebliche Gleichbehandlung, Städtisches Klinikum München GmbH
Dr. Susanne Schmidt, Forschungsverbund ForGenderCare, München
Prof. Dr. Barbara Thiessen, Lehrstuhl für Gendersensible Soziale Arbeit, Hochschule Landshut
Prof. Dr. Paula-Irene Villa, Lehrstuhl Soziologie/Gender Studies, Ludwig-Maximilians-Universität München

Ort & Anreise

Evangelische Akademie Tutzing / Schlossstraße 2+4 / 82327 Tutzing

Planen Sie Ihre Anreise schnell und einfach bei unserem Partner Green Mobility:
Dort finden Sie alle Anreisemöglichkeiten (mit dem PKW, Nah-/Fernverkehr, …) zu uns im direkten Vergleich
mit Hilfe von Echtzeitdaten und sparen sich so die zeitaufwendige Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
 
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Deutsche Bahn bietet auch die Möglichkeit, für Fahrten zu Seminaren und Tagungen das Veranstaltungsticket (VaT) im Geschäftskundenportal "CLASSIC" bzw. in der Großkundenlösung zu buchen.
 
MIT ÖFFENTLICHEN VERKEHRSMITTELN
Ab München Hbf: S-Bahn S6 (Tiefgeschoss) bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch
bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee,
Hauptstraße, Schlossstraße.
 
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 10.– €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass von 10.– €. Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen!
 
MIT  DEM PKW
Mit dem Auto fahren Sie von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg,
von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.