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  •   Kriminalität und Kriminalroman

    Tutzing, 9. - 11.12.2005, Tagungsleitung: Karin Andert

     

    „Es gibt kein Verbrechen, das zu begehen ich nicht fähig wäre ...“ (Goethe)

    Wenn wir diese Erkenntnis nicht gelten lassen, sehen wir uns und die anderen in einem trüge-rischen Licht. Eine dünne Schicht, so Freud, trennt uns vom Bösen. Kain und Abel, Joseph und seine Brüder – das Alte Testament legt Zeugnis ab von Intrige und Gewalt, die auf den ersten Blick unglaublich scheinen. Gerade deshalb bieten sie den Stoff für Dramen und Romane, für Analysen und philosophische Abhandlungen. Ein eigenständiges literarisches Genre, das sich den antisozialen Neigungen des Menschen widmet, ist indes erst spät entstanden. Mittlerweile kann der „Kriminalroman“ auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken, die in Deutschland mit Schillers „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ und dem „Rinaldo Rinaldini“ von Goethes Schwager Vulpius begonnen hat.

    Was fasziniert uns an Darstellungen, die wir selbst gewiss nicht erleben möchten? Geht es um den Denksport, die Auflösung eines rätselhaften Falls? Oder den Voyeurismus, das Sich-Hinein-Versetzen in die Nachtseiten menschlicher Existenz? Vom harten Krimi bis zum psychosozialen Weichzeichner finden sich heute viele Subspezialitäten. Die Übergänge eines historischen Romans zum Krimi (Umberto Ecco) oder einer psychologischen Verbrechensstudie (Minette Walters) sind fließend. Verschwimmen somit Fiktion und Fakten nicht immer mehr zu einem Konglomerat von Dichtung und Wahrheit?

    Gehen wir der Angst-Lust nach, lassen uns in andere Welten tragen und kommen wieder zur Realität zurück. Gut und Böse, eine nie endende Geschichte: wir laden zum zuhören, nachdenken und diskutieren sehr herzlich ein.

    Karin Andert
    Studienleiterin

    Till Bastian
    Arzt und Schriftsteller