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Anfänge im Mittelalter
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Tutzing im 11. Jahrhundert in einer
Chronik des nahegelegenen Klosters Benediktbeuern. Dort wurde ein Ort namens Dutcingun unter den
Schenkungen an das Kloster benannt. Das heutige Schloss bestand zu jener Zeit aus einem Hof, einer
Mühle und 6 Huben (halbe Höfe).
Schlossherren Dichtl und von Götzengrien
Um 1480 erwarb das Münchner Patriziergeschlecht der Dichtl das Dorf Tutzing. Bernhard Dichtl d. Ältere
erhielt 1519 die Hofmarksgerechtigkeit und durfte fortan als Tutzinger Schlossherr von seinen
Untertanen Steuern erheben und die niedere Gerichtsbarkeit ausüben. Mehr als drei Jahrhunderte - also
bis ins Revolutionsjahr 1848 - existierte diese kleine Hofmark, deren Obrigkeit vom Schloss aus regierte.
Das Schloss selbst verdiente diesen Namen eigentlich noch nicht. Vielmehr war es zunächst nur ein
quadratischer, düsterer, abweisender Bau, der mit einer Ringmauer und einem Wassergraben umgeben war.
Die Architekten der damaligen Zeit sprachen von einem "Wohnturm" und durften damit der Wirklichkeit
wohl am nächsten gekommen sein.
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1650 kam das Tutzinger Schloss "auf die Gant". Der Kupferstich
von Michael Wening aus dem Jahr 1701 zeigt den Wiederaufbau unter
Maximilian von Götzengrien.
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Während des Dreißigjährigen Krieges
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch die Hofmark Tutzing von schwedischen und kaiserlich-spanischen
Truppen schwer heimgesucht. Das Schloss Tutzing ging in Flammen auf.
Im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts erfolgte unter der Regentschaft des Edelmannes Maximilian von
Götzengrien der Wiederaufbau des Schlosses. Dem Haupttrakt des Schlosses wurde ein Erweiterungsbau
nach Westen angegliedert. Im heutigen Glanz erstrahlte das Tutzinger Schloss freilich immer noch nicht.
Vielmehr beschrieben es die damaligen Zeitgenossen als "schwerfällig gebaut" mit einer "trübselig und
traurig" wirkenden Einrichtung.
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Karl Matthias Graf von Vieregg
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Ära der Viereggs
Von 1731 bis 1869 gehörte Tutzing den Viereggs, einer aus Mecklenburg stammenden Grafenfamilie.
Insbesondere Graf Friedrich von Vieregg verdankt das Tutzinger Schloss eine großzügige Umgestaltung,
die in den Jahren 1802 bis 1816 erfolgte. Das alte Schloss erhielt Seitenflügel im Osten und im Westen,
so dass der heutige charakteristische hufeisenförmige Bau im klassizistischen Stil entstand. Hinzu kamen
ferner der heutige Musiksaal und der dem Schloss vorgelagerte Kavaliersbau ( die heutigen Büro- und
Geschäftsräume) mit dem vorderen Hof. Der Schlosspark wurde in einen englischen Landschaftsgarten
umgewandelt. |
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Der Tutzinger Schlosspark zur Zeit Eduard
von Hallbergers, des Gründers der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart. Farbiger Stich von Julius
Lange aus dem Jahr 1874. |
Hallberger Zeit
An die Ära der Viereggs schloss sich die Hallberger Zeit an. Schloss und Park Tutzing gingen in den
Jahren von 1869 bis 1880 in den Besitz des Stuttgarter Verlegers Eduard von Hallberger über, der
diesen Ort zu einem luxuriösen Treffpunkt der literarischen Welt und des Großbürgertums umgestaltete.
Am Seeufer ließ er die Seeterrasse und die Säulenpergola anlegen.
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Der berühmte Kunstsammler und -händler Marcel von Nemes
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Schloss Tutzing als Ort der Kunst
Den Hallberger Erben gelang es nicht, den Besitz zu halten. Er mußte veräußert werden. Im Jahr 1921
erwarb der Kunstsammler und Kunsthändler Marcel von Nemes das Tutzinger Schloss. Nemes, dessen
Phantasiewappen über dem Schlosstor prangt, konnte sich hier nach Herzenzlust für ein Jahrzehnt
verwirklichen. Das meiste, was heute in Schloss und Park die Aufmerksamkeit des Kunstliebhabers
erregt, fand in der Nemes-Ära hier seinen Platz. Marcel von Nemes starb 1930.
Während der Zeit des Dritten Reiches besaß Familie Hackelsberger das Schloss. Eine Gedenktafel im
inneren Hof erinnert an den Industriellen und katholischen Zentrumspolitiker Albert Hackelsberger,
der 1940 in Gestapo-Haft ums Leben kam.
Evangelische Akademie Tutzing
In den vierziger Jahren gehörte Schloss Tutzing den Familien Kaselowsky und dem Backpulverfabrikanten
Oetker aus Bielefeld. Sie überließen es ab 1947 der Inneren Mission als Erholungsheim für
Kriegsheimkehrer. 1949 kaufte Landesbischof Hans Meiser das Anwesen für die Evangelisch-Lutherische
Kirche in Bayern. Seither dient das traditionsreiche Tutzinger Schloss der Evangelischen Akademie
Tutzing als Arbeitsstätte. |
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