4. Medienforum der bayerischen Landeskirche

Das 4. Medienforum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ging heute zu Ende. Es stand unter dem Thema „Medienkritik zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Eine kurze Zusammenfassung veröffentlichte der epd-Landesdienst Bayern:

Eine differenziertere Berichterstattung in den Medien hat Oberkirchenrat Detlev Bierbaum angemahnt. Statt Schwarz-und-Weiß-Zeichnung sollten die Journalisten stärker die Grautöne der Realität wahrnehmen und spiegeln, sagte Bierbaum, in der bayerischen Landeskirche zuständig für den Bereich Medien, am Montagabend bei dem 4. Medienforum der Landeskirche in der Evangelischen Akademie Tutzing. So habe beispielsweise eine „zu optimistische Einschätzung“ in der Flüchtlingsfrage dem Vertrauen der Menschen in die Berichterstattung geschadet. Gleichzeitig nahm der Oberkirchenrat die Medien vor dem Vorwurf der „Lügenpresse“ in Schutz. Dieses Schimpfwort stamme von „ideologisch verblendeten Politikern“, die damit das aufklärerische Interesse der Journalisten diffamieren wollten. Allerdings müssten die Medien selbst der Versuchung des Voyeurismus, der schnellen, nicht überprüften Information und der inhaltslosen Endlosschleifen widerstehen, um glaubwürdig zu bleiben.

Als problematische Entwicklung in der Publizistik benannte die Journalistin Diemut Roether die „Emotionsfalle“. Immer häufiger versuchten die Medien, komplizierte Vorgänge, wie etwa die Flüchtlings-Problematik, in Emotionen aufzulösen. Anstelle von Fakten oder Hintergrund trete dann eine „gefühlte Wahrheit“, sagte die verantwortliche Redakteurin der Fachredaktion epd medien. Zum Thema „Medienkritik zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ des Medienforums regte der Medienethiker Christian Schicha die Einführung von Leser-Anwälten an. Diese Ombudsleute oder Leser-Beiräte könnten zu einer stärkeren Qualitätskontrolle und zu einer Verflechtung zwischen den Medien-Nutzern und den Journalisten führen, sagte Schicha, Professor am Institut für Theater und Medienwissenschaften der Universität Erlangen. (00/335024.10.2016) epd lbm as.

Auf dem Abschlusspodium saßen v.l.: Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, Prof. Dr. Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Universität Erlangen-Nürnberg, Michael Busch, Vorsitzender des Bayerischen Journalistenverbandes e.V. (BJV), sowie Diemut Roether, verantwortliche Redakteurin von epd medien, Elke Beck-Flachsenberg, stellv. Vorsitzende des BR-Rundfunkrates, und Jan Fleischhauer, Redakteur beim Spiegel. Das Gespräch moderierte Dr. Daniel Dietzfelbinger, Referent für Medien und Erwachsenenbildung im Landeskirchenam der ELKB. (c) Schwanebeck

Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer stellte fest, dass Medienkritik heute eher Strukturkritik und weniger persönliche Kritik an einem Journalisten sei. „Die Strukturkritik nimmt zu. Insbesondere im Netz. Hier gibt es sehr viel Häme und wenig Argumente.“

(Foto: Schwanebeck)

„Wir sind nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft und der politischen Entscheidungen“, bemerkte BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb (li.) zur Medienschelte mancher Zeitgenossen. Um der Medienkritik entgegenzuwirken bedarf es seiner Meinung nach dreierlei Dinge: „Qualität erhalten, Zusammenhänge erklären, das Publikum ernst nehmen“.

(Foto: Schwanebeck)

epd-medien-Redakteurin Diemut Roether – hier links neben der stellv. BR-Rundfunkratsvorsitzenden Elke Beck-Flachsenberg, beklagte, dass die Medien immer häufiger versuchten, komplizierte Sachverhalte in Emotionen aufzulösen, so beispielsweise die gesamte Flüchtlingsthematik.

(Foto: Schwanebeck)

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